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Ratgeber für Pflege und Betreuung

         
        

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Inkontinenz -

Wenn der Harn

seinen eigenen

Weg sucht

Ältere Menschen beiderlei Geschlechts oder Frauen unabhängig vom Alter sind von Inkontinenz betroffen. Inkontinenz ist das Unvermögen Harn oder Stuhl willkürlich zu kontrollieren. Während Stuhlinkontinenz sehr schwer zu behandeln ist, gibt es bei der häufiger auftretenden Harninkontinenz mehrere Möglichkeiten, der Krankheit entgegen zu wirken.

Diesem Thema widmet sich ein Buch des Huber Verlages. Drei hochqualifizierte Frauen aus dem Pflegebereich haben sich zusammengetan, um die verschiedenen Arten von Inkontinnez zu beschreiben, auf die Ursachen der Krankheit einzugehen und die Situation der betroffenen Menschen näher zu beleuchten.

Für die betroffenen Menschen stellt das Auftreten von Harninkontinenz ein wachsendes Problem dar. Es handelt sich um ein Tabuthema, über das wenig gesprochen wird und das beim Betroffenen mit Scham- und Angstgefühlen verbunden ist. Für die Pflegepersonen – sei es im Krankenhaus oder als pflegender Angehöriger - ist es wichtig, besonders sensibel mit diesem Thema umzugehen. Man kann durch das Ansprechen des Problems in der richgtigen Weise dem Patienten Hilfestellung geben. Oft macht auch schon die Wahl der Ausdrücke einen Unterschied aus.

Auf jeden Fall ist es wichtig, die Ursachen der Inkontinenz von ärztlicher Seite abklären zu lassen. Handelt es sich um eine Dranginkontinenz, eine Stressinkontinenz oder ist etwa eine Harnwegsinfektion der Auslöser. Bei älteren Menschen können auch kognitive und körperliche Einschränkungen eine Rolle spielen: z.B. eingeschränkte Mobilität, die dazu führt, dass die Toilette zu spät erreicht wird oder Demenzerkrankungen.

Für Pflegepersonen ist es wichtig nicht nur die bestehenden Merkmale der Krankheit zu behandeln, sondern auch an Möglichkeiten der Vorbeugung bzw. der Förderung der Kontinenz zu denken. Wie bereits angesprochen, kommt dem beratenden Gespräch eine wichtige Rolle zu, um dem betroffenen Menschen zu helfen, sich bewusst mit dieser Funktionsstörung auseinander zu setzen.

Blasentraining oder Toilettentraining haben zum Ziel durch regelmäßige Toilettengänge eine Verhaltensänderung zu erzielen. Bewährt hat sich auch das Beckenbodentraing, das dabei hilft, die Beckenbodenmuskulatur zu stärken.

Die Autorinnen beschreiben im Buch sehr ausführlich, die Möglichkeiten der Kontinenzförderung, sie gehen auf Hilfsmittel ein, die verwendet werden können und beschäftigen sich auch mit der Hautpflege im Falle von Inkontinenz.

Daniela Hayder, Elke Kuno, Margit Müller,
Kontinenz, Inkontinenz, Kontinenzförderung – Praxishandbuch für Pflegende, Verlag Hans Huber, Bern, 2008

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Das Schicksal positiv meistern

Thomas Chorherr, der frühere Herausgeber und Chefredakteur der Tageszeitung „DiePresse“, hat ein bemerkenswertes Buch geschrieben: "Hilfe, wer pflegt mich?“ Er berichtet über sein persönliches Schicksal – nach einer schweren Gehirnblutung erlitt er eine Halbseitenlähmung. Um dann seine Erfahrungen als Spiegel zu nehmen und die Lebenssituation vieler Menschen zu beleuchten, die auf Hilfe angewiesen sind.

Die Gedanken von Thomas Chorherr sind von menschlicher Tiefe durchdrungen, er bringt mahnend die Fakten, der auf unsere Gesellschaft zurollenden „Pflegelawine“ und er lässt zwischen den Zeilen immer wieder seinen Humor durchblitzen.

Eine der Kernweisheiten seines Buches formuliert er gleich zu Beginn. „Du hast zwei Möglichkeiten: die Dinge aufzuzählen, die du nicht mehr tun kannst, oder die Dinge zu registrieren, die du wieder tun wirst. Du wählst das Zweite. Du sagst immer wieder: Nicht aufgeben. Dich nicht fallenlassen. Lachen, nicht weinen. Hoffen, nicht verzweifeln.“

Chorherr spricht vom Umgang mit der Angst. Er betrachtet die andere Seite der Medaille, wenn er von seinem eigenen Schicksal weggeht und die Rolle jener schildert, die aufopfernd pfegen: im Rahmen der Familie, im Spital, in der Rund um die Uhr Pflege zu Hause.

Emotional wird der Autor, wenn es um die Hindernisse für Menschen mit Behinderung geht: „Ihr Tramwaykonstrukteure, ihr Architekten, ihr Baumeister, herhören! Ich wünsche euch, besser: ich wünsche euch nicht, behindert zu werden…“ Da ist die Rede von zu hohen und ausgetretenen Stufen, von fehlenden Handläufen, von Badezimmern mit Wanne, aber ohne Dusche, von Rolltreppen und unerreichbaren Straßenbahnwaggons.

Das Buch ist lesenswert. Und es wurde präsentiert – im niederösterreichischen Pernitz. Wissen Sie wer noch gekommen war, um zum Thema zu sprechen und den Autor zu würdigen? Staatssekretärin Christine Marek, Soziallandesrätin Petra Bohuslav und Caritas-Direktor Michael Landau. Gegen Ende reihte sich dann die frühere ORF-Generaldirektorin Monika Lindner in die Warteschlange ein, um ein persönlich signiertes Buch von Thomas Chorherr zu erhalten.

Thomas Chorherr bezeichnete sich selbst als Optimisten. Er macht anderen Menschen Mut. Hat mit der linken Hand schreiben gelernt. Nur eines schmerzt ihn: „Dass ich nie mehr werde Violine spielen können…“ Gleichsam als Ausklang rief er seiner Frau, die ihn aufopfernd unterstützt, ein großes Dankeschön zu, indem er auf die Widmung im Buch verwies: „Für meine Frau“. Und im Brustton der Überzeugung: „Das meine ich auch so!“

Karl Ebinger

Thomas Chorherr: Hilfe, wer pflegt mich? Fakten, Standpunkte, Perspektiven, Verlag Carl Ueberreuter, Wien 2007

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Verborgene Schätze heben – bei Pfleger und Pflegling

Mäeutik ist die auf Sokrates zurückgehende Kunst, durch gezieltes Fragen die im Lernenden schlummernden, richtigen Antworten hervorzubringen.

Cora van der Kooij hat in ihrer langjährigen Praxis als Kranken- und Altenpflegerin und später als Ausbildnerin immer wieder die Erfahrung gemacht, wie wichtig gezieltes Fragen ist! Durch Fragen bekommt man Antworten und dadurch entsteht Kommunikation. Durch Kommunikation erfahre ich etwas von meinem Gegenüber! Wie professionell Kommunikation zwischen Pfleger und Gepflegtem aufgebaut wird, wie sie gestaltet wird, wie sie aufrechterhalten wird, wie sie für beide Seiten wertvoll wird, behandelt das vorliegende Buch ausführlich.

Auch der Kommunikation zwischen den Kollegen wird viel Aufmerksamkeit geschenkt. Hier ist es besonders wichtig, dass die Gespräche einen konstruktiven Verlauf nehmen. Wenn die Kommunikation klappt, erfahren die Kollegen vom Pflegeteam wie es anderen Pflegern mit bestimmten Pfleglingen geht. Sie tauschen sich über die Biographien der Menschen aus und – was besonders zur erlebnisorientierten Pflege beiträgt, - berichten auch von schönen Momenten, die sie bei der Arbeit mit ihnen haben! Diese Art von Kommunikation kann aber nur dann funktionieren, wenn alle Mitarbeiter dasselbe Ziel haben: Eine auf die Bedürfnisse der alten Menschen ausgerichtete Pflege und Betreuung.

Frau van der Kooij dazu: „Erlebnisorientierte Pflege definiere ich selbst gerne als den Teil der Betreuung (Pflege, Versorgung, Behandlung), bei dem es um die Qualität geht, mit der man der Persönlichkeit des anderen gerecht wird.“

Die Autorin hat beim Begleiten der Pfleger durch den Arbeitstag immer wieder erstaunt feststellen dürfen, wie viel Kreativität und Intuition die Kollegen besitzen – was für Schätze an Berufs- und Lebenserfahrung zutage gefördert werden, dessen sie sich aber nicht bewusst sind. Sie glauben, das sei alles selbstverständlich – „wir sind ja nur Pfleger“. Und das stimmt so nicht. Denn auch zum Pflegen braucht man Talent!

Die herzliche, humorvolle aber auch achtsame Beziehung zwischen den Pflegern und ihren Pfleglingen ist ein sehr wichtiger Bestandteil der Mäeutik. Frau van der Kooij ist sich bewusst, dass hier zwei verletzliche Wesen aufeinander treffen. Der Pflegende ist verletzlich und angreifbar. Er will seine Sache gut machen und ist durch manche Reaktion der Pflegebedürftigen verunsichert. Aber umgekehrt ist es nicht anders. Der Pflegebedürftige ist verletzbar, weil er vom Pfleger abhängig ist. Durch liebevolle Zuwendung kommen sich beide näher und lernen, sich zu respektieren und die Grenzen des anderen zu akzeptieren.

Um sich aber mehr den Bedürfnissen der zu Betreuenden öffnen und sie auch weitgehendst erfüllen zu können, brauchen die Pfleger gewisse Rahmenbedingungen. Die Praxis hat gezeigt, dass zum Gelingen erlebnisorientierter Pflege, auch die Kommunikation nach „oben“ hin und nach „unten“ hin gehört. Das heißt, auch die Gebietsleitung oder die Heimleitung müssen von der erlebnisorientierten Pflege überzeugt sein, sonst wird es für das Personal schwierig sein, sich mehr den alten Menschen zuzuwenden.

Das vorliegende Buch ist ein Lehrbuch über die erlebnisorientierte Altenpflege mit Hilfe der Mäeutik. Es werden darin nicht nur das „mäeutische Pflege- und Betreuungsmodell“ vorgestellt, sondern auch grundsätzliche Themen wie „Was es heißt, eine Pflegekraft zu sein“ behandelt.

Elvira Ebinger

„Ein Lächeln im Vorübergehen – Erlebnisorientierte Altenpflege mit Hilfe der Mäeutik“, Cora van der Kooij, Verlag Hans Huber, Bern 2007, 212 Seiten, ISBN: 978-3-456-84379-7

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Wer pflegt, muss sich pflegen

Belastungen in der Altenpflege meistern

 

 

Erich Schützendorf lernte während seines Studiums, dass alte Menschen lernfähig sind. Diese Erkenntnis versuchte er als hauptberuflicher Angestellter einer Volkshochschule umzusetzen und plante Bildungsangebote für ältere Menschen. Wobei er auch an Bewohner von Altersheimen dachte.

Deshalb besuchte er auch ein Pflegeheim, um seine Ideen vorzustellen. Man ließ ihn gewähren, betrachtete aber seine Bemühungen als überflüssig und aussichtslos. Dort lernte er auch Menschen mit Demenz kennen. Diese zogen seine ganze Aufmerksamkeit auf sich.

Der Autor erkannte bald, dass Menschen mit Demenz in einer „anderen Welt“ leben! Menschen mit Demenz leben nicht in den Kategorien wie es „normale Erwachsene“ tun. Denn in der sogenannten normalen Welt lebt man nach der Uhr, tut nur Dinge, die einen Sinn haben, ist man immer aktiv und selbstverständlich flexibel.

Demente Menschen dagegen haben kein Zeitgefühl, tun Dinge, die völlig zweckfrei sind, sind eher passiv und vor allem nicht flexibel. Im Gegenteil, Menschen mit Demenz können ganz schön „eigen-sinnig“ sein.

Diese Beobachtungen führten zu der Überlegung, dass auch das Pflegepersonal einen anderen Zugang zu den Pfleglingen mit Demenz suchen muss. Denn er stellte immer wieder fest, dass das Personal, das ja zu den „normalen Erwachsenen“ zählt, auch als solche agiert: Sie stellen eine Frage und erwarten von den Menschen mit Demenz eine schlüssige Antwort. Sie fordern zu einer Aktivität auf und erwarten, dass der demente Mensch die Anordnung versteht und ausführt. Und das alles möglichst schnell, weil man wenig Zeit hat und noch mehr Menschen zu pflegen hat.

Das geht natürlich nicht gut. Man redet und handelt aneinander vorbei! Das kostet den Pflegern sehr viel Energie. Frust macht sich breit – und zwar auf beiden Seiten. Erich Schützendorf bringt viele anschauliche Beispiele aus der Pflegepraxis wie er sie beim Begleiten des Personals erlebt hat. Und stellt fest, dass es für die Pfleger nervenschonender wäre zu lernen, sich in die Welt der Menschen mit Demenz zu begeben. Das heißt, dass sie bereit sind, eine Beziehung zu den alten Menschen aufzubauen. Denn: „Altenpflege ist in erster Linie Beziehungsarbeit …“ und „Beziehungen können einem das Leben schwer machen. Unglücklicherweise wird diese Tatsache, um die jeder weiß, in der Altenpflege oft übersehen.“

Damit diese Beziehungsarbeit besser gelingt, sind einige Voraussetzungen nötig. Deshalb forscht der Autor bei den Pflegern nach: Er will von den Pflegern wissen, wie es ihnen in extremen Situationen geht und wie sie damit umgehen, bzw. was sie dann am liebsten machen würden. Vielleicht erst mal eine Zigarette rauchen usw.

Er fordert die Pfleger auf, ganz bewusst auf sich zu schauen – oder wie der Titel des Buches sagt, - sich zu pflegen. Er möchte von ihnen wissen, was ihnen helfen würde, um sich wieder mit Freude den Bewohnern widmen zu können.

Er fragt die Pfleger, was sie gerne ändern würden – z.B. am Arbeitsplatz oder in den Gemeinschaftsräumen! Meistens haben diese sehr viele Ideen, wie man schon allein die Räumlichkeiten im Heim bunter und gemütlicher gestalten könnte. (Aber man traut sich nicht so recht – Vorschriften, Brandschutzbestimmungen, etc.) Wie sogenannte „Oasen der Ruhe“ entstehen könnten, wo sie unter sich aber auch mit den Bewohnern entspannen könnten.

Wie das in Wirklichkeit aussehen kann, zeigen die Bildtafeln in der Mitte des Buches. Da wird z.B. ein kahles, ungemütliches Anstaltsbad zu einem wohligen Erlebnisbad umfunktioniert. Mit einfachen Mitteln und ein bisschen Farbe. Nun sträuben sich die Bewohner nicht mehr gegen ein Bad, weil dort leise, entspannende Musik läuft und aromatisierte Blätter einen angenehmen Duft verbreiten, etc. Oder aus einem scheinbar ewig langen Gang mit einigen Einbuchtungen wird eine intime Rückzugsecke mit Korbsessel, Vorhang und Wassersäule, usw.

Im Buch wird hauptsächlich von der Pflege im Heim gesprochen. Wenn man an die häusliche Pflege denkt, dann hat man doch viel mehr Zeit, die Beziehung zum Gepflegten aufzubauen. Und noch mehr Spielraum was das Gestalten der Umwelt betrifft (keine Vorschriften und Bestimmungen).

Elvira Ebinger

Wer pflegt, muss sich pflegen – Belastungen in der Altenpflege meistern, Erich Schützendorf, Springer Wien New York, 2006,
164 Seiten, ISBN 3-211-29135-0.

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Richtige Ernährung bei Demenz

Ein Ratgeber

Der Untertitel des Buches „Appetit wecken, Essen und Trinken genießen“ sagt schon viel über die Absicht der Autoren aus: „Dem Demenzkranken wieder Lust auf Essen und Trinken zu machen!“

Warum ist das notwendig? Warum ein eigenes Buch für die Ernährung bei Demenz, habe ich mich gefragt. Demenzkranke Menschen verlieren im Laufe der Zeit den lebenswichtigen Drang, sich um ihre Ernährung zu kümmern. Hunger- und Durstempfinden lassen immer mehr nach. Die Kranken können die Wichtigkeit ausreichender Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme nicht mehr einschätzen und verkennen die mit einer Unterversorgung verbundenen Gefahren.

Hier setzt der Ratgeber an: Mit Informationen und konkreten Tipps will er alle unterstützen, die an Demenz erkrankte Menschen privat und beruflich pflegen.

Das Buch ist in vier Kapiteln eingeteilt. Im ersten Kapitel werden die Ursachen altersbedingter Veränderungen des Ernährungszustandes und der Ernährungssituation im Allgemeinen erläutert. Und dann im Besonderen bei Demenzkranken und was das für die Pflegenden bedeutet.

Das zweite Kapitel geht auf die Bedeutung der Ernährung für Demenzkranke ein. Vor allem darauf, wie man sie zum Essen und Trinken animieren kann. Beschrieben wird z.B. die Bedeutung von Essen und Trinken in der Lebensgeschichte von demenzkranken Menschen.

Im dritten Kapitel werden die unterschiedlichsten Probleme aufgezeigt, die Demenzkranke haben können oder auch machen können, wenn es um die Nahrungsaufnahme geht. In übersichtlicher Weise werden Beispiele aufgezählt, das Problem genannt und dann die Maßnahmen und Tipps angeführt.

Viele Probleme entstehen im körperlichen Bereich: Schluckstörungen, Erkrankungen im Mund- und Rachenraum (drückende Zahnprothese), starker Bewegungsdrang, Immobilität usw. Aber auch im psychischen Bereich: Gedächtnisstörungen, emotionale Auffälligkeiten, gestörter Tag-Nacht-Rhythmus usw. Im sozialen Bereich kann es ebenso zu Problemen kommen: eingeschränktes sprachliches Ausdrucksvermögen, sozial auffälliges Verhalten bei Tisch, Einsamkeit, verringerte finanzielle Möglichkeiten usw.

Das vierte Kapitel enthält einige sehr praktische Checklisten, die dem Pflegenden einen Überblick darüber geben sollen, ob der zu Pflegende genug getrunken hat, ob er eine ausgewogene Ernährung erhält. Aber auch Fragebögen, die der Pflegekraft etwas über den Ernährungszustand oder die Ess- und Trinkbiographie des Kranken sagen sollen. Diese Checklisten und Fragebögen sind leicht zum Kopieren.

Abgerundet wird das Buch durch ein Glossar der Fachbegriffe. Das Buch ist sehr leserlich geschrieben und kommt mit einem Minimum an Fremdwörtern aus. Es behandelt alle Aspekte der Ernährung bei Demenz.

Beim Lesen ist mir erst so richtig bewusst geworden, was auf einen zukommt, wenn man von heute auf morgen einen Angehörigen zu pflegen hat.

Ratgeber für die richtige Ernährung bei Demenz – Appetit wecken, Essen und Trinken genießen, Ernst Reinhardt Verlag, München, 2006, ISBN 3-497-01845-7.

Elvira Ebinger

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Der Vorsorge-Berater

Das Nachschlagwerk für die rechtliche, soziale und gesundheitliche Vorkehrung

Der Linde-Verlag hat in seiner Serie „Linde populär“ einen Vorsorge- Berater herausgegeben. Dieser  richtet sich an alle interessierten Menschen, die sich mit ihrem Lebensabend und dessen Gestaltung beschäftigen (wollen)!

Sei es, dass man auf der Suche nach einer Lösung für die Pflege zu Hause ist, etwas zu vererben hat, oder die letzten Dinge rechtzeitig regeln möchte.

Dr. Peter Resetarits, vielen aus dem ORF („Volksanwalt – Gleiches Recht für alle“) bekannt, und Mag. Nikolaus Weiser, Rechtsanwalt von der Kanzlei Schwarzinger & Weiser, haben hier ein sehr umfassendes Buch vorgelegt, das den unbedarften aber interessierten Leser in die wichtigsten Themenkreise rund um die Vorsorge bzw. Altersvorsorge einführt.

Das erste und seitenstärkste Kapitel ist der Sachwalterschaft gewidmet. Denn diese ersetzt die frühere Entmündigung. Danach werden alle Für und Wider einer Patientenverfügung erörtert. Sodann wird die Pflege von Angehörigen, wie auch die Pflege im Heim behandelt. Schließlich auch das Erbrecht, das immer wieder Neuerungen erfährt und öfters Verwirrung stiftet.  Es wird über die verschiedensten Möglichkeiten der Pensionsvorsorge und der Finanzierung der Pflege informiert und das Behindertengleichstellungsgesetz vorgestellt.

Mittels Fallbeispielen aus der Praxis werden die einzelnen Themen und deren Problematik anschaulich dargestellt. Durch Auflisten von Fragen, die man sich stellen sollte, wird der Leser angeregt, sich selber Gedanken zu machen, bzw. daran zu denken, was für den Betroffenen das Beste wäre!

Am Ende jedes Kapitels sind Web-Tipps und vertiefende Literatur angeführt. Den Abschluss bildet die Checkliste Sozialleistungen gefolgt von wichtigen Adressen, die zu den behandelten Themen Auskunft geben können.

Der Ratgeber ist flüssig und spannend geschrieben, gibt einen Überblick zu unterschiedlichen Themen und ist eine echte Entscheidungshilfe im Bedarfsfalle.

Elvira Ebinger

Linde Verlag, Der Vorsorge-Berater, Peter Resetarits – Nikolaus Weiser, 320 Seiten, Wien 2006, ISBN 3-7093-0115-7

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Wenn Eltern Kinder werden – und doch die Eltern bleiben

Die Doppelbotschaft der Altersdemenz

 

Das vorliegende Buch erscheint bereits in der 6. Auflage. Die Autorin Edda Klessmann erzählt hier ihre eigene, ganz persönliche Erfahrung mit Altersdemenz. Eigentlich holte sie ihre Mutter nur zu sich, weil sie dachte, dass die vier Stockwerke, die diese bis zu ihrer Wohnung zu gehen hatte, bald zuviel für sie werden könnten. Noch dazu im Winter, wenn sie den Heizölkanister schleppen müsste. Was die Tochter nicht wusste, war, dass ihre Mutter bereits damals schon einige Anzeichen von Demenz zeigte.

Bei ihrer Tochter hatte M. (so wird sie im Buch kurz genannt) eine eigene kleine Dachwohnung mit Kochgelegenheit und führte ihren „Single“-Haushalt völlig selbständig.

Die Autorin schildert Situation für Situation wie M. immer vergesslicher wird (Schlüssel verlegen, Brille nicht wieder finden) und ihr Dinge, die sie ein Leben lang aus dem FF beherrschte, (z.B. Stricken) nicht mehr gelingen wollen. Als M. aber auch die Übersicht über ihre Küche (Horten von Lebensmittel, Plastikschüssel auf der heißen Herdplatte) und ihre Finanzen verliert, wird der Tochter klar, dass die Situation sehr ernst ist.

Haben bis dahin Beschwichtigungs- und Verdrängungsstrategien von beiden Seiten noch verhindert, dass der tatsächliche Zustand von M. erkannt wird, muss sich die Autorin eingestehen, dass M. mehr Aufsicht und Anwesenheit seitens der Familie braucht. Zu diesem Zeitpunkt ist die Demenz schon fast in die zweiter Phase eingetreten.

Man holt sich Hilfe bei der Gemeindeschwester. Irgendwann ist aber auch mit Hilfe von außen die Situation nicht mehr zu bewältigen. Die Tochter, die selber noch im Erwerbsleben steht, stößt immer wieder an ihre Grenzen. Und fasst, zwar mit Unbehagen, die Möglichkeit einer Übersiedelung in ein Heim ins Auge. Schließlich ringt sie sich zu diesem Entschluss durch. Und es geht gar nicht mal so schlecht wie befürchtet. Das Heim liegt in der Nähe der Familie. So wird M. an den Wochenenden nach Hause geholt und auch sonst von der Tochter oft besucht.

Die Autorin beschreibt nicht nur die äußeren Umstände, sondern geht besonders auf die Beziehungsverwirrungen ein, die entstehen, wenn die eigenen Eltern (hier die Mutter) nicht mehr die Rolle der Eltern ausfüllen können, sondern durch ihre Hilflosigkeit und Abhängigkeit zu „Kindern“ werden.

So schildert sie eine Situation, wo beide, Mutter und Tochter wieder einmal „die Nerven verloren hatten“ und sich lautstark „bekämpft hatten“. Die Tochter war in Eile, und die Mutter wollte nicht aus dem Bett – das Übliche. Sie sahen sich zornig an, und dann sagte die Mutter plötzlich: „Wie kann man sein Kind nur so schlecht behandeln!“ Die Mutter fühlte sich eindeutig in der Kind-Rolle und delegierte die Mutter-Rolle an ihre Tochter.

Aber es gab auch humorvolle Momente wie diesen: „So saß eines abends die Familie mit M. im Wohnzimmer und sah sich im Fernsehen einen „Thriller“ an. Alles hielt einige Zeit später den Atem an, als der Mörder an die Hotelzimmertür seines vor Angst bebenden Opfers klopfte. Da sagte M. laut und ernsthaft: „Herein!“ Sie konnte es nicht verstehen, warum auf einmal eine so ungeheure Heiterkeit ausbrach. Sie hatte sich doch völlig korrekt verhalten, als sie einen Menschen, der höflich angeklopft hatte, nicht länger warten lassen wollte, oder? „Könnt ihr mir mal sagen, was es da zu lachen gibt?“ Die Tochter, die neben der Mutter saß, spürte den schmalen Grat am Abgrund des Zurückgestoßenseins, weil die Mutter den Grund der Heiterkeit (wieder einmal) nicht entschlüsseln konnte. Und so legte sie den Arm um die Mutter und sagte: „Ach M., wenn wir dich nicht hätten! Durch dich ist der langweilige Krimi überhaupt erst spannend und witzig geworden. Ich erzähl´ dir nachher, warum wir das so komisch fanden.“ Damit war die Mutter, obwohl sie nach wie vor nicht „im Bilde war“, zufrieden. Sie fühlte sich wieder dazugehörig, ja als Verursacherin der fröhlichen Stimmung geradezu im Mittelpunkt….“

Zu jeder neuen Entwicklung der Demenz schreibt Frau Klessmann einen Kommentar, der die vorher beschriebene Situation näher erläutert und wissenschaftlich (mit Verweisen auf andere Forscher der Demenz) aufarbeitet.

Auf Seite 80 steht folgende Bemerkung, die ich sehr treffend für dieses Buch finde: „Wenn dieses Büchlein einen Sinn haben soll, dann vor allem den, dass es Verständnis wecken möchte für die Kranken, aber auch für die ungeheure Zwiespältigkeit der Angehörigen von Altersdementen. Außenstehende können oft nicht begreifen, warum „sie nicht längst den Opa in ein Heim gegeben haben“ oder umgekehrt „wie konnten sie nur die alte Dame in so eine Einrichtung geben!“

Elvira Ebinger

Edda Klessmann, Wenn Eltern Kinder werden und doch die Eltern bleiben, Verlag Hans Huber, Bern 2006, 212 Seiten,
ISBN-Nr. 3-456-84364-X

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Mit Demenz sorgsam umgehen

Das Alter als Chance, Lebenserfahrungen zu vollenden oder neu zu bewerten

Wilhelm Stuhlmann ist Psychologe und Arzt für Neurologie und Psychiatrie. Er hat ein sehr lesenswertes Buch über Demenz verfasst, das sowohl für Pflegende als auch für das Verständnis der eigenen Lebensgeschichte wertvolle Anregungen enthält.

Sein spezieller Blickwinkel, der sich durch das gesamte Buch zieht, betrachtet Demenz vom Aspekt der Bindung (verbindliche Beziehungen) und von den Möglichkeiten, die die Lebensgeschichte (Biographie) bietet.

Stuhlmann geht von den Erkenntnissen aus, die John Bowlby in seiner Theorie über Entstehung und Bedeutung von Bindung entwickelt hat. Die ersten Bindungserfahrungen in der Beziehung zu Mutter, Vater, Großeltern oder Geschwistern wirken lebensprägend.

Bowlby spricht von verschiedenen Bindungstypen. Er unterscheidet den sicheren Bindungstyp und weitere drei Formen des unsicheren Bindungstyps. Sichere Bindung ist charakterisiert durch das Lebensgefühl: "Es wird für mich gesorgt, ich werde beschützt und genährt, ohne dass ich dafür etwas leisten muss, einfach weil ich da bin."

Bindungsunsicherheit hingegen "entsteht durch das Erleben müssen von Unzuverlässigkeit, Wechselhaftigkeit, Hunger und Durst sowie Nichtverfügbarkeit, Verweigerung oder Entzug der Unterstützung. Auch Überbehütung, starke Kontrolle oder Überstimulation wirken sich negativ aus, da die Fähigkeit zur Exploration blockiert wird."

Im Alter werden die im Laufe des Lebens gemachten Erfahrungen in Beziehungen neu aktuell. Beim Altern und beim Auftreten von Demenz (nachlassen der Gedächtnisleistung) tritt eine vermehrte Hilfsbedürftigkeit auf. Das kann zu Angst, Stress oder Depressionserscheinungen führen.

Frühkindliche Erfahrungen mit den Eltern werden durch die Situation, plötzlich auf Hilfe angewiesen zu sein, wieder aktuell. Jemand, der eine liebevolle Erziehung genossen hat, wird in dieser Situation besser auf Ressourcen wie grundsätzliches Lebensvertrauen oder Hilfe vertrauensvoll annehmen zurückgreifen können als jemand, der das nicht erlebt hat.

Die Beziehung alter Mensch und Pflegeperson bietet eine doppelte Chance, wenn sie als solche erkannt wird. Der alte Mensch kann eventuell vorhandene Defizite in seiner Beziehungsfähigkeit im Kontakt mit der Pflegeperson aufarbeiten und positiv bewältigen.

Die Pflegeperson hingegen wird mit ihrem eigenen Beziehungsverhalten konfrontiert. Auch bei ihr werden Erfahrungen mit den eigenen Bezugspersonen wach. Im guten Falle kommt es zu einer Aufarbeitung, im schlechten Falle zu einer starken Belastung für Pfleger und Pflegling. Das Wissen um diese Zusammenhänge kann jedoch wesentlich dazu beitragen, die Alltagssituation zu verbessern.

Stuhlmann nennt eine Vielzahl von Beispielen, wie Ressourcen entdeckt und im Pflegealltag aktiviert werden können. Erste Voraussetzung sei ein Wechsel der Perspektive: nicht die Defizite sollten in erster Linie wahrgenommen werden, sondern die positiven Möglichkeit des alten Menschen.

Wichtig für Demenzkranke - aber nicht nur für sie - sei eine stabile und vertrauenswürdige Bezugsperson, die als sicherer Hafen erlebt werden könne. Die Pflegeperson kann nach positiven Ansatzpunkten in der Lebensgeschichte (Biographie) des Pfleglings suchen und diese bewusst machen. Daneben seien eine vertraute Umgebung (individuelle Zimmergestaltung) und geordnete Zeitabläufe hilfreich für den demenzkranken Menschen.

In Therapie und Pflege haben sich praktische Hilfen wie Erinnerungsalben, vertraute Gegenstände, Rollenspiele oder Tanz und Gesang bewährt.

Wilhelm Stuhlmann, Demenz - wie man Bindung und Biographie einsetzt, Ernst Reinhardt Verlag München, 2004

Karl Ebinger

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Sachwalterschaft

Situation in Österreich


Was ist eine Sachwalterschaft?

Die gesetzliche Vertretung von psychisch Kranken und geistig Behinderten wird seit 1984 ausschließlich im Rahmen der Sachwalterschaft geregelt. Bis dahin  wurde diese Angelegenheit im Rahmen der Entmündigung durchgeführt. Dass die gar nicht mehr so junge Sachwalterschaft noch immer sehr unbekannt ist, liegt wohl daran, dass sich Jahrhunderte der Entmündigung nicht so ohne weiteres aus den Köpfen der Leute streichen lassen. Der Fortschritt von der Entmündigung zur Sachwalterschaft war jedoch in vieler Hinsicht sehr wesentlich für den Umgang mit der betroffenen Personengruppe.

Im Gegensatz zur Entmündigung, die den Behinderten pauschal einem Kind gleichstellte, soll im Rahmen einer Sachwalterschaft nur in dem Ausmaß Entscheidungsbefugnis an den Sachwalter übertragen werden, in dem die betroffene Person diese nicht mehr selbstverantwortlich wahrnehmen kann. Personen die an einer geistigen Behinderung oder einer psychischen Krankheit leiden, soll dadurch einerseits so gut wie möglich vor Nachteilen und Schäden durch "unvernünftige Handlungen" geschützt, andererseits aber in der Möglichkeit ihr Leben trotzdem weiterhin selbst zu gestalten, möglichst wenig eingeschränkt werden.

Ein Sachwalter vertritt die Interessen des Betroffenen, besonders in Krisensituationen. Der Sachwalter sichert und verwaltet das Einkommen und das Vermögen treuhändisch und nimmt die Vertretung des Betroffenen gegenüber Ämtern, Behörden und privaten Vertragspartner wahr. Falls erforderlich, organisiert ein Sachwalter auch die soziale und medizinische Betreuung des Betroffenen. Die Arbeit eines Sachwalters erfordert Fachwissen und vor allem soziales Engagement.

Wie kommt es zu einer Sachwalterschaft?

Als erstes muss ein gerichtliches Verfahren zur Prüfung der Notwendigkeit einer Sachwalterbestellung eingeleitet werden. Meistens kommt die Anregung für ein Sachwalterschaftsverfahren von einem Angehörigen, einer Behörde oder einem sozialen Dienst. Die Anregung kann schriftlich oder in Form eines Gespräches erfolgen. Ansprechpartner ist der Pflegschaftsrichter desjenigen Bezirksgerichtes, das für den Wohnort des Betroffenen zuständig ist. Der Betroffene kann natürlich auch selbst einen entsprechenden Antrag bei Gericht stellen.

Nachdem die Voraussetzungen dafür in einem eigenen Verfahren geprüft wurden, wird vom Bezirksgericht ein Sachwalter bestellt. Der Richter muss die betroffene Person dazu persönlich anhören und ihr für dieses Verfahren einen Beistand (Verfahrensvertreter) bestellen. Über den geistigen Zustand der betroffenen Person wird ein psychiatrisches Sachverständigengutachten erstellt, das Aufschluss darüber geben soll, welche Angelegenheiten die betroffene Person selbst regeln kann und welche nicht. Wenn das Gericht einen Sachwalter bestellt, wird in dem Beschluss auch ausgesprochen, welche Angelegenheiten (z.B. Vermögensverwaltung, Vertretung vor Ämtern) der Sachwalter zu besorgen hat.

Wer kann Sachwalter sein?

Nahestehende Personen: Meistens wird vom Gericht ein Angehöriger oder eine sonstige Vertrauensperson des Betroffenen zum Sachwalter bestellt.

Vereinssachwalter: es in allen Bundesländern vom Justizministerium anerkannten Vereine für Sachwalterschaft. Die hauptberuflichen und ehrenamtlichen Sachwalter dieser Vereine werden dann bestellt, wenn keine nahestehende Person für diese Aufgabe zur Verfügung steh.(Die Adressen sind diesem Bericht angefügt).

Rechtsanwälte oder Notare: Sie werden dann als Sachwalter eingesetzt, wenn es überwiegend rechtliche Angelegenheiten sind, bei denen der Betroffene Unterstützung benötigt.

Wer vom Gericht als geeigneter Sachwalter bestellt werden soll, kann diese Aufgabe nur dann ablehnen, wenn sie aus nachvollziehbaren Gründen nicht zumutbar ist.

Der Richter muss bei der Auswahl eines Sachwalters auf das Wohl des Betroffenen und auf seine Wünsche Rücksicht nehmen.

Was sind die Aufgaben eines Sachwalters?

Der Kreis der Aufgaben des Sachwalters wird vom Richter für jeden Fall individuell festgelegt. Die Aufgaben richten sich nach den konkreten Angelegenheiten des Betroffenen und der Schwere der geistigen Behinderung bzw. psychischen Krankheit.

Der Sachwalter kann zuständig sein für

  •  eine einzelne Angelegenheit (z.B. für die "Vertretung im Verfahren bei der Pensionsversicherungsanstalt der Arbeiter")
  • einen Kreis von Angelegenheiten (z.B. für die "Einkommens- und Vermögensverwaltung", für die "Vertretung gegenüber Behörden", die "Zustimmung zu medizinischen Behandlungen", ...)
  • alle Angelegenheiten

Solche Aufgabengebiete sind:

  • Verwaltung von Einkünften
  • Verwaltung von Barvermögen
  • Verwaltung von beweglichem Vermögen
  • Verwaltung von Liegenschaften
  • Medizinische Maßnahmen
  • Personensorge

Kein Sachwalter ist verpflichtet, die Betreuung des Betroffenen selbst zu übernehmen. Er ist aber verpflichtet, persönlichen Kontakt zum Betroffenen zu halten und sich um seine ärztliche Versorgung und soziale Betreuung zu bemühen.

Zum Schutz des Patienten ist bei wichtigen Angelegenheiten (dazu zählen alle Operationen und sonst massiveren medizinischen Eingriffe) die Einwilligung des Sachwalters auch nur gültig, wenn sie vom zuständigen Pflegschaftsgericht kontrolliert und mit Beschluss genehmigt wurde. So kann es oft länger dauern bis eine gültige Ersatzeinwilligung des Sachwalters vorliegt. Damit eine Verzögerung nicht zu einer Gesundheitsschädigung des Patienten führt, gibt das Gesetz dem Arzt die Möglichkeit bzw. die Verpflichtung, die Behandlung sofort und ohne Zustimmung durchzuführen, wenn aus medizinischen Gründen (Gefahr einer schweren Gesundheitsschädigung) nicht weiter zugewartet werden kann.

Welche Auswirkungen hat die Sachwalterschaft auf die Betroffenen?

In den Angelegenheiten, die dem Sachwalter zur Besorgung übertragen wurden, wird die betroffene Person (unter Umständen auch gegen ihren Willen) vom Sachwalter vertreten und kann selbst nur mehr sehr eingeschränkt Verfügungen treffen. Sie hat unter Umständen keinen freien Zugriff zum eigenen Geld oder kann alleine keine Amtangelegenheiten regeln.

Das bedeutet allerdings nicht, dass die betroffene Person keine Rechte hat und dem Sachwalter in seinem Zuständigkeitsbereich vollkommen ausgeliefert ist. Vor allem bei wichtigen Entscheidungen betreffend das Vermögen (z.B. Verkauf einer Liegenschaft) oder betreffend die Person (z.B. Einwilligung zu einer Operation) muss der Sachwalter die betroffene Person möglichst direkt einbeziehen und ihren Wünschen und Vorstellungen, soweit sie vertretbar sind, nachkommen.

Auch persönliche Grund- u. Freiheitsrechte wie Briefgeheimnis, Hausrecht, Glaubensfreiheit, Wahlrecht oder auch Patientenrechte werden durch eine Sachwalterschaft nicht einfach aufgehoben. Seit dem neuen Freiheitsgesetz 1991 hat der Sachwalter auch kein Recht, zum Zweck der Aufenthaltsbestimmung (z.B. bei der Übersiedlung in ein Heim) oder zur Durchführung einer medizinischen Behandlung unmittelbare körperliche Zwangsmaßnahmen anzuordnen.

Was kostet den Betroffenen eine Sachwalterschaft?

Das gerichtliche Verfahren ist kostenlos, nur das Honorar für das ärztliche Gutachten muss vom Betroffenen bezahlt werden. Wenn sein Einkommen sehr gering ist oder das Verfahren eingestellt wird, übernimmt diese Kosten der Bund.

Der Sachwalter kann dem Pflegschaftsbericht eine Aufstellung seiner Aufwendungen (Haftpflichtversicherungs-Prämie, Fahrt-, Telefon- oder Portokosten) beilegen. Wenn diese Spesen vom Gericht genehmigt werden, können sie aus dem Vermögen des Betroffenen entnommen werden.

Dem Sachwalter gebührt im Regelfall eine Entschädigung in Höhe von 5 % der Nettoeinkünfte des Betroffenen, wenn er bei Gericht einen entsprechenden Antrag stellt. Zweckgebundene Einkünfte wie z.B. Pflegegeld, Familien- oder Wohnbeihilfe werden nicht mitgerechnet. Wenn sich der Sachwalter besonders umfang- und erfolgreich um das Wohl des Betroffenen bemüht, kann ihm das Gericht eine Entschädigung von bis zu 10 % der Nettoeinkünfte des Betroffenen zusprechen, wobei hier ein Kollisionskurator für die Interessensvertretung des Betroffenen zu bestellen ist; wenn der Wert des Vermögens 10.000 € übersteigt, können zusätzlich maximal 2 % des darüber hinausgehenden Vermögens als Entschädigung bewilligt werden. Dann muss sich der Sachwalter aber ganz besonders verdient gemacht haben.

Sachwalter, die ihre besonderen beruflichen Kenntnisse und Fähigkeiten einbringen (z.B. Rechtsanwälte, Notare, Immobilienmakler, Steuerberater...), haben Anspruch auf ein angemessenes Entgelt und können ihre Tätigkeit nach berufsspezifischen Honorarrichtlinien abrechnen. Rechtsanwälte und Notare, die als Sachwalter bestellt worden sind, bekommen für die rechtliche Vertretung des Betroffenen dann kein Entgelt, wenn die Kosten von der Gegenseite übernommen werden oder wenn der Betroffene z.B. wegen seines geringen Einkommens Anspruch auf Verfahrenshilfe hätte. Wenn durch die Ansprüche des Sachwalters auf Spesenersatz, Entschädigung oder Entgelt die Lebensbedürfnisse des Betroffenen gefährdet sind, können sie vom Gericht nicht zugesprochen werden.

Bei einem Rechnungslegungszeitraum von mehr als einem Jahr kann der Sachwalter Vorschüsse auf Entgelt, Entschädigung oder Aufwandsersatz beantragen. Diese müssen vom Gericht gewährt werden, soweit er bescheinigen kann, dass dies die ordnungsgemäße Vermögensverwaltung fördert.

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Sachwalterschaft in Österreich


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St. Veiter-Strassse 44, 9020 Klagenfurt, Tel. 0463-50561

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Bürgerstrasse 2/2, 6020 Innsbruck, Tel. 0512-5561602

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Marktplatz 10/10,  6800 Feldkirch, Tel. 05522-75991

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Behinderten – Rechte

Umfassender Ratgeber zur Rechtslage in Österreich

Die EU hat 2003 zum „Europäischen Jahr der Menschen mit Behinderung“ ausgerufen. Dies kann dazu führen, dass manche Anliegen von pflegebedürftigen Menschen und deren Angehörigen mehr ins Licht der Öffentlichkeit gerückt werden.

Nach wie vor sind in Österreich die rechtlichen Rahmenbedingungen für Menschen mit Behinderung nicht auf den ersten Blick erfassbar. Es gibt auf diesem Gebiet wenig umfassende Literatur und die Rechtslage ist aufgrund von Überschneidungen zwischen Bundes- und Landesgesetzgebung teilweise schwierig zu überblicken.

Als Beispiel für die komplexen Zusammenhänge sei das Pflegegeld genannt. Im §3 des Bundespflegegeldgesetzes (BPGG) sind die Personen erfasst, die Anspruch auf Pflegegeld haben. Das sind Bezieher einer Pension, Rente, eines Ruhe- oder Versorgungsgenusses. Zusätzliche Bedingung ist ein Pflegebedarf, der durchschnittlich mehr als 50 Stunden im Monat beträgt und mindestens 6 Monate andauern wird.

Alle Personen hingegen, die im §3 des BPGG nicht erfasst sind, fallen in die Zuständigkeit der Länder (Landespflegegeldgesetz). Dabei handelt es sich z.B. um mitversicherte Angehörige, Sozialhilfeempfänger, Menschen mit Behinderung, die im Beruf stehen. Ergänzend ist zu beachten, dass in Grenzfällen das BPGG von der Wertigkeit her über dem Landespflegegeldgesetz steht.

Dankenswerterweise ist nun ein neu überarbeitetes Fachbuch erschienen, das wertvolle Informationen zum Thema liefert: „Rechte für Menschen mit Behinderung“. Einer der Hauptautoren ist Dr. Wolfgang Höfle, Steuerberater und Leiter des Kompetenz Center Arbeits-/ Sozialversicherungs-/ Lohnsteuerrecht der Treuhand Partner Austria in Wien.

Er hat sich durch persönliche Betroffenheit – sein Vater ist nach einem Unfall querschnittgelähmt – intensiv mit den gesetzlichen Regelungen für Behinderte in Österreich auseinandergesetzt. Entstanden ist ein Ratgeber, der für pflegebedürftige Menschen,  deren Angehörige und Berater aber auch für Vertreter der zuständigen Behörden von großem Interesse ist.

Die Kernkapitel des Buches beschäftigen sich mit den gesetzlichen Grundlagen – Stichwort: Bundes- und Landesgesetzgebung bzw. Europarecht. Die Autoren gehen auf den für behinderte Menschen besonders wichtigen Gleichheitsgrundsatz und auf das Diskriminierungsverbot ein.

Eigene Kapitel sind den Themen Arbeitsrecht, Gesundheits- und Krankenpflegegesetz, gesetzliche Krankenversicherung und Schulrecht gewidmet. Ausführlich besprochen werden die Anspruchsvoraussetzungen für den Erhalt des Pflegegeldes und der konkrete Ablauf der Antragstellung.

Schließlich wird die steuerliche Behandlung des Pflegegeldes beschrieben und die rechtlichen Rahmenbedingungen für Menschen, die im Bereich der Hauskrankenpflege tätig sind.

Hinweise zu Fördermöglichkeiten mit den entsprechenden Kontaktadressen runden das Buch ab. Für Internetbenutzer ist die Homepage der Österreichischen Arbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (ÖAR), dem Dachverband der Behindertenorganisationen, zu empfehlen: www.oear.or.at

Karl Ebinger

Höfle, Leitner, Stärker: Rechte für Menschen  mit Behinderung, Linde Verlag Wien, 2003.

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