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von Siegfried Klammsteiner
Geschäftsführer ISL GmbH


Themenübersicht

Pflege rund um die Uhr benötigt spezielle Kompetenzen

Entwicklung der 24-Stunden-Betreuung in Österreich

Worum es bei der Pflegedebatte geht

Pflegenotstand - Pflegeforschung - Qualität sichern

Älter werden Mensch bleiben

Dienstleistungsscheck

Altenpflege - eine gesundheits- und sozialpolitische Herausforderung

Qualitätssicherung in der Pflege

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Pflege rund um die Uhr benötigt
spezielle Kompetenzen

Durch das Etablieren eines legalen Bereiches in der 24-Stunden-Betreuung in Österreich entstand ein ganz neues Betätigungsfeld. Es gab schon längere Zeit das Feld der Hauskrankenpflege. Dabei wird stundenweise in den Haushalten betreut und gepflegt. Auf den ersten Blick haben Hauskrankenpflege und 24-Stunden-Betreuung einiges gemeinsam. Schaut man jedoch genauer hin, gibt es auch große Unterschiede.

Eine Pflegekraft, die mehrmals pro Woche stundenweise ins Haus kommt, hat eine andere Beziehungssituation als eine Personenbetreuerin, die 24 Stunden im gemeinsamen Hauslhalt mit der zu pflegenden Person lebt. Wir als Pflegedienst ISL haben mit dieser Tätigkeit im Jahr 2000 begonnen und die Erfahrung gemacht, dass es wichtig ist, die soziale Kompetenz unserer PflegepartnerInnen zu stärken. Wir geben daher in eigenen ISL-Schulungen die Möglichkeit, sich mit diesem Thema näher zu befassen und Erfahrungen untereinander auszutauschen. Für die PflegepartnerInnen ist es sehr wertvoll über die speziellen Herausforderungen dieses engen “Familienanschlusses” zu sprechen. Sie bekommen plötzlich, dass Gefühl: “Oh, andere haben ähnliche Situationen wie ich an der Pflegestelle. Ich bin nicht die einzige, die mit solchen Herausforderungen kämpft.”

Darüberhinaus haben wir diplomierte Pflegekräfte als Pflegeaufsichten etabliert, die einerseits einen persönlichen Ansprechpartner für die betreute Person darstellen als auch unterstützend wirken, wenn es zu Konflikten in einer Pflegebeziehung kommt.

Für die gepflegte Person macht es ebenso einen großen Unterschied, ob die Pflegekraft stundenweise kommt oder im gemeinsamen Haushalt lebt. Die Beziehung wird intensiver und nach einigen Wochen oder Monaten können Reibungspunkte in der Beziehung auftreten, die immer wieder neu gelöst werden müssen. Nicht zu unterschätzen sind auch die Impulse, die die näheren Angehörigen ins Beziehungsgeflecht einbringen.

Ein zweiter großer Unterschied zwischen Hauskrankenpfege und 24-Stunden-Betreuung besteht darin, dass die PersonenbetreuerInnen vielfältige Aufgaben zu erledigen haben. Sie helfen im Haushalt, unterstützen in der persönlichen Lebensführung,  haben Gesellschafter-Funktion und können je nach Situation der zu pflegenden Person Tätigkeiten übertragen bekommen, die eine diplomierte Kraft oder ein Arzt überwacht.

Um die Qualität bei der Übertragung von pflegerischen Tätigkeiten zu sichern, haben wir bei ISL ein kompaktes Formular entwickelt, das den Vorgang der Delegierung effizient und nachvollziehbar macht.

PersonenbetreuerInnen sind vielseitig gefordert und brauchen eine bestimmte Lebenserfahrung. Darum ist diese Tätigkeit auch für ältere Menschen interessant, die z.B. selbst Kinder groß gezogen haben oder schon einen Angehörigen in der eigenen Familie gepflegt haben.

Mir persönlich ist es ein großes Anliegen, dass die Pflegestellen fachlich und menschlich gut besetzt sind. Ich investiere viel Zeit und Energie PersonenbetreuerInnen mit den “richtigen” Pflegebedürftigen zusammen zu bringen.

Wenn sich eine Pflegeperson mit einer bestimmten Personenbetreuerin besoders schwer tut, suchen wir nach einer neuen Pflegekraft. Ich habe schon öfters erlebt, dass die ausgewechselte Personenbetreuerin oder der Personenbetreuer mit einer anderen Pflegeperson dann recht gut ausgekommen ist. Die einfühlsame Personalauswahl kostet Zeit und Kraft, ist jedoch gut investiert, wenn am Ende zufriedene Pfleglinge und PersonenbetreuerInnen stehen, die einander schätzen.

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Entwicklung der 24-Stunden-Betreuung in Österreich

Die Bemühungen um eine Legalisierung der 24-Stunden-Betreuung in Österreich haben einiges in Bewegung gesetzt. So waren zum Beispiel Anfang 2009 13.325 PersonenbetreuerInnen mit Gewerbeschein offiziell angemeldet. Das deckt natürlich noch nicht den gesamten Markt ab, ist aber ein beachtlicher Schritt.

Ich sehe jedoch neben den finanziellen Engpässen, die im Sozialbereich auf uns warten vor allem auch ein Problem des Personalmangels auf Österreich zukommen. Man hat beim Modell der Legalisierung der 24-Stunden-Betreuung vor allem die Situation der ausländischen Pflegekräfte im Blick gehabt. Es gibt heute noch zu wenig Bewusstsein dafür, dass wir dieses Berufsfeld auch für Menschen, die in Österreich leben, noch viel attraktiver machen müssen.

Kräfte aus dem Ausland mögen mit einem monatlichen Nettolohn von etwa 800,00 Euro zu Hause zu den Besserverdienern gehören. Man kann allerdings von qualifiziertem inländischem Personal nicht erwarten, dass es um diesen Preis arbeitet. Unsere Erfahrung zeigt, dass es genug arbeitswillige Menschen auch bei uns gibt, wenn die Honorierung zumindest annähernd entsprechend ist. Es ist äußerst unbefriedigend, dass keine Vorkehrungen getroffen werden, dass die 24-Stunden-Betreuung auch mit inländischen Kräften auf breiterer Basis leistbar ist. Dabei wäre dieser Bereich eine gute Jobchance gerade für Personen, die auf Grund ihres Alters auf dem Arbeitsmarkt als schwer vermittelbar gelten.

Unsere inländischen Mitarbeiterinnen sind im Durchschnitt 50 Jahre alt und waren größtenteils vor ihrer Zeit der Kindererziehung in einem Krankenhaus oder in einem Pflegeheim tätig. Sie schätzen es, selbständig arbeiten zu können und ihre bisherigen Lebenserfahrungen einzubringen. Für viele käme ein Wiedereinstieg in ein Krankenhaus oder in ein Pflegeheim kaum in Frage. Die Erfahrung zeigt, dass die Kunden immer wieder sehr erfreut sind, wenn sie hören, dass die Betreuerin einschlägige Lebenserfahrung mitbringt.

In der 24-Stunden-Betreuung wurde lange Zeit weggesehen und schließlich ist eine Legalisierung der vielen Kräfte aus dem Ausland unumgänglich geworden. Es wäre eine grobe Fehleinschätzung, wenn man denkt, nun ist dieses Problem gelöst. Man sollte nun nicht wieder wegschauen und erst dann reagieren, wenn die Kräfte aus dem Ausland nicht mehr  vorhanden sind. Es ist höchste Zeit, bereits jetzt Vorkehrungen zu treffen, dass auch viele Menschen in Österreich in diesem Bereich tätig sein werden.

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Worum es bei der Pflegedebatte geht

Nun geht die Pflegedebatte in die heiße Phase, denn die von der österreichischen Bundesregierung eingesetzte Arbeitsgruppe Pflege und Betreuung hat inzwischen ihre Arbeit aufgenommen. Ende Juni, wenn die Amnestie der Regierung ausläuft, will das Sozialministerium ein Pflegemodell präsentieren, das nicht nur legal, sondern vor allem auch leistbar, bzw. besser gesagt, finanzierbar sein soll. Eine spannende Sache - ohne Zweifel.

Die Problematik liegt klar auf dem Tisch: Die Menschen werden älter und damit auch immer pflegebedürftiger. Die Menschen möchten so lange wie möglich zu Hause bleiben, auch wenn sie auf die Hilfe anderer angewiesen sind.

Aus eigener finanzieller Kraft können sich die wenigsten eine zeitlich aufwendige Betreuung und Pflege zu Hause, oder gar eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung leisten. Um doch zu Hause bleiben zu können, haben viele für sich den Schwarzmarkt als Lösung gewählt – sicher auch solche, die sich eine legale 24-Stunden-Pflege hätten leisten können. Es ist sehr zu begrüßen, dass dies nun gesetzlich klar geregelt wird.

Die Forderung an das zukünftige Pflegemodell lautet: Es muss legal, qualitätsgesichert und leistbar sein. Dazu haben wir unsere Überlegungen und Erfahrungen ausgedrückt. Lesen Sie mehr unter: Neue Kriterien für die 24-Stunden-Pflege.  Auch zu den beiden arbeitsrechtlichen Modellen, das Modell Anstellung nach dem Hausgehilfen- und Hausangestelltengesetz und das Modell Selbständigkeit, sowie wie viel das den Pflegebedürftigen dann kostet, haben wir ebenfalls unsere Sichtweise formuliert. Mehr dazu unter: Faire Arbeitsmodelle

Auffallend und völlig unsachlich ist in unseren Augen die Debatte über die Leistbarkeit des zukünftigen Pflegemodells. Ist unser Gesundheitssystem leistbar, sind die Alten- und Pflegeheime leistbar, ist die mobile Hauskrankenpflege leistbar? Sind in diesem Bereich die Preise so, dass die Leistungen jeder aus eigener finanzieller Kraft bezahlen kann? In diesen Bereichen werden die Leistungen durch ein System der Krankenversicherungen und durch die Unterstützung von öffentlicher Hand allen zugänglich gemacht, eben auch für jene, die es sich selbst nicht leisten können.

Interessant ist folgender Tatbestand: Wenn jemand eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung braucht und ins Heim geht, so übernimmt die öffentliche Hand die (Rest)Finanzierung, wenn er das Heim nachweislich selbst nicht, oder nur teilweise bezahlen kann. Bleibt er zu Hause, bekommt er keine finanzielle Unterstützung. Warum bekommt jemand nicht zumindest die Unterstützung für zu Hause, die er bekommen würde, wenn er ins Heim gehen würde.

Die Forderung, die Rund-um-die-Uhr-Betreuung muss leistbar sein, sprich muss sich jeder selbst zahlen können, ist unfair und verstößt gegen den Gleichheitsgrundsatz. Viel ehrlicher wäre die Diskussion, welche Bereiche sind wir als Gesellschaft bereit, gemeinsam zu tragen und welche nicht. Die Forderung an ein Pflegemodell, das sich z.B. auch ein Mindestpensionsempfänger selbst bezahlen kann, ist unrealistisch.

Die Kernfrage kann nicht die Leistbarkeit, sondern muss die Finanzierbarkeit sein. Genau dieser Punkt wird für die Arbeitsgruppe, für die Bundesregierung, für die Länder und Gemeinden, ja für die Gesellschaft am schwierigsten zu  lösen sein, darüber besteht kein Zweifel. Aber jede Veränderung, jede Erneuerung muss einmal eingeleitet werden. Auf die demografischen Veränderungen muss unweigerlich reagiert werden, daran wird kaum ein Weg vorbeiführen.

Siegfried Klammsteiner

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Pflegenotstand – Pflegeforschung – Qualitätssicherung

Pflegeskandale erregen immer wieder öffentlich die Gemüter. In diesem Zusammenhang wird dann stets an die Politik die Forderung gestellt, den steigenden Pflegebedarf zu befriedigen, für eine bessere personelle Ausstattung, für bauliche Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensqualität und für wirksame Kontrollen für Qualitätssicherung zu sorgen. Gerade was die Qualitätssicherung betrifft, zeigt sich, dass Pflege nicht nur ein gesellschaftspolitisches, sondern auch ein wissenschaftliches Thema ist. Denn wer Qualität in der Pflege will, der kommt an Pflegewissenschaft und Pflegeforschung nicht vorbei.

Sie braucht ihr eigenes Grundwissen – d.h. eine Basis an spezifischem Pflegewissen. Sie braucht eine eigene Wissensgrundlage. Wissen aus persönlichen Alltagserfahrungen (so wertvoll dieses auch ist), oder Handeln, das damit begründet wird, dass man es „immer so gemacht habe“, reichen für den Anspruch, eine eigene Disziplin zu sein, nicht aus. Geht man von der Definition aus, dass Forschung eine Möglichkeit zur systematischen Vermehrung von Wissen darstellt, so kann man durch Pflegeforschung eine spezifische Wissensgrundlage für diesen Beruf entwickeln.

Wenn Pflege eine aktive Rolle im Gesundheitswesen spielen will, so muss sie mit diesen Entwicklungen Schritt halten und sich den neuen Anforderungen stellen. Dazu ist zunächst spezifisches, systematisches Wissen notwendig. Dieses Wissen soll den Pflegenden ermöglichen, Pflegebedürfnisse, die aus speziellen Gesundheitsproblemen entstehen, mit Hilfe von bestimmten Methoden zu erkennen. Außerdem sollen die Pflegenden in der Lage sein, die Wirksamkeit der daraus folgenden Pflegehandlungen zu überprüfen. Eine effiziente Pflegepraxis kann ohne wissenschaftlich fundierte Wissensgrundlage nicht auskommen, denn: „Die Praxis ist nur so gut wie ihr theoretisches Fundament.“1

In der Theorie wird längst akzeptiert, dass die Pflege nicht mehr die Hilfsmedizin, sondern ein eigenständiger und neben der Medizin gleichberechtigter Beruf ist. Das neue österreichische Gesundheits- und Krankenpflegegesetz von 1997 trägt dem Rechnung. In der Praxis aber gibt es noch immer die Tendenz, die Pflege der Medizin unterzuordnen. Medizinexperten sind eben nicht schon Pflegeexperten, denn zwischen medizinischen bzw. medizinethischen Fragen und pflegerischen bzw. pflegeethischen Fragen besteht ein erheblicher Unterschied.

Seit Jahren ist es bekannt: Österreich hinkt der internationalen Entwicklung noch immer hinterher. In den USA und in Großbritannien ist die Pflege schon längst zu einem wissenschaftlich orientierten Handeln geworden. Allmählich beginnt sich auch auf dem europäischen Kontinent die Pflegewissenschaft zu etablieren. In Deutschland gibt es inzwischen nicht nur Fachhochschulen, sondern auch einige Universitäten, an denen man Pflegewissenschaften studieren kann. Neben dem Studium spielt auch die Forschung eine immer wichtigere Rolle.

Pflegeforschung meint nicht nur Forschung über Pflege oder ihre Geschichte, sondern auch Forschung in der Pflege, d.h. Forschung, die die Verbesserung pflegerischen Handelns zum Ziel hat. Was der Medizin an Arzneimittelforschung und Medizinproduktforschung recht ist, muss der Pflege billig sein.Mit dem Vorantreiben der Pflegewissenschaft und der Pflegeforschung werden von den Befürwortern viele Hoffnungen verbunden. Sei es die Emanzipation der Pflege von der Medizin, sei es Qualitätssicherung durch ausgebildete Pflegeexpertinnen und -experten als Führungskräfte in der Pflege, sei es die Innovation und Weiterentwicklung der Pflege oder die Entwicklung einer eigenständigen Pflegeethik.

Das alles sind wichtige Felder, und es wäre wünschenswert, wenn sich Österreich hier aus der Nachzüglerrolle herausarbeiten würde. Aber auch dem gegenwärtigen Pflegenotstand soll durch den Ausbau von Pflegewissenschaft und Pflegeforschung entgegengewirkt werden, indem handfeste Aufstiegschancen und neue Karrieremuster entstehen würden. „Aufsteigen statt Aussteigen“ ist das Motto. Doch dies scheint mir zweifelhaft, denn wer den Beruf Altenpflege wählt, tut dies nicht zuerst aus Karrieregründen, sondern will mithelfen, alten Menschen einen Lebensabend in Würde zu ermöglichen, will Sinn und Erfüllung in der Arbeit finden. Viele müssen jedoch im Pflegealltag bald erkennen, dass sich ihre Vorstellungen und Ideen nicht realisieren lassen. Zu groß ist der Pflegeaufwand und zu knapp ist die bemessene Zeit. Frustration, Erschöpfung und schließlich Resignation sind oft die Folge. Das ist meiner Erfahrung nach der Hauptgrund für die hohe Ausstiegsrate und den daraus resultierenden Mangel von Pflegefachkräften.

Sicher könnte die Pflegeforschung noch deutlicher die Ursachen und Hintergründe für die hohe Fluktuation in den Pflegeberufen aufzeigen. Doch sie kann nur indirekt und in beschränktem Maße zur Verringerung des Pflegenotstandes beitragen. So sehr ich die Entwicklung der Pflegewissenschaft und Pflegeforschung begrüße, verbinde ich nicht allzu große Hoffnungen damit, was den Pflegenotstand angeht.
Siegfried Klammsteiner

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Älter werden - Mensch bleiben

So lautet die Initiative vom Hilfswerk Österreich, die von Mai bis November 2005 läuft. Diese Aktion hat die Bewusstseinsbildung über die Herausforderungen und Chancen der „Altersgesellschaft“ zum Ziel. Im Vorfeld hatte das Hilfswerk eine Exklusivumfrage gemacht, um die altersspezifischen Bedürfnisse der Menschen über 70 in Österreich zu erheben. Es soll eine Initiative für mehr Lebensqualität älterer Menschen in Österreich sein.1

Die Aktion finde ich sehr gut, und ich wünsche dem Hilfswerk, dass es eine erfolgreiche Aktion wird. Auch die Formulierung ÄLTER WERDEN – MENSCH BLEIBEN trifft meines Erachtens den Sinn der Sache. Die Ergebnisse der Erhebung, die vom Hilfswerk durchgeführt wurde, sind es Wert, sich damit zu beschäftigen.

Die Zusammenfassung und die Schlussfolgerungen werden wie folgt dargestellt:2

Laut Erhebung ist die subjektive Einschätzung der Lebensqualität bei den Seniorinnen und Senioren erfreulich hoch ausgefallen. Was nicht bedeutet, dass bei der älteren Generation nicht auch Ängste und Wünsche vorhanden sind und sie Defizite orten. Aber das subjektive Empfinden fiel überwiegend positiv aus.
Die meisten Senioren scheinen einen sehr guten Kontakt mit ihren Familienangehörigen zu haben. Vereine werden eher selten frequentiert, am meisten bedauern die einzelnen, dass sich der Kontakt zu ehemaligen Freunden schwer aufrecht erhalten lässt. Wichtig ist zu erwähnen, dass vor allem Pflegebedürftige dieses Defizit zum Ausdruck bringen. Das ist verständlich, denn wer nicht mehr mobil ist und selbst nicht mehr aktiv die Beziehungen pflegen kann, ist natürlich sehr darauf angewiesen, dass andere das merken, und sich die Mühe machen, in der Beziehung aktiver zu sein. Gerade ein Mensch, der auf Hilfe anderer angewiesen ist, empfindet den Mangel an Freunden besonders stark.

Der Vorbehalt, im Alter die Wohnsituation nochmals zu verändern, ist relativ stark ausgeprägt – bei Männern stärker als bei Frauen, bei der ländlichen Bevölkerung stärker als bei Städtern. Die überwältigende Mehrheit der österreichischen Seniorinnen und Senioren (82 Prozent) sehen das Seniorenheim als letzten Ausweg. Diesbezüglich gibt es regionale Unterschiede, bei den Salzburgerinnen und Salzburgern z.B. sind 94 Prozent der Befragten dieser Meinung. Österreichweit sagen 47 Prozent der Seniorinnen und Senioren: „Wenn man ins Seniorenheim muss, dann hat das Leben nicht mehr viel Sinn!“

Wichtig ist zu sagen, dass die Heimbewohner selbst die Situation viel besser beurteilen, was auf einen Informationsdefizit hinweist, das gerade durch die Aktion des Hilfswerks abgebaut werden soll. Nichtsdestotrotz bestätigt die Umfrage, dass die meisten Menschen den Lebensabend zu Hause und nicht in einer neuen Umgebung verbringen möchten.

Wenn Menschen Hilfe brauchen, dann ist laut Umfrage die menschliche Beziehung in der Betreuungssituation neben fachlicher Qualifikation von größter Wichtigkeit. Zeit für Gespräch, und dass man verstanden wird, sind Wünsche, die ganz deutlich zum Ausdruck kommen.

In Deutschland war ich zwei Jahre als Kundenbetreuer im Pflegedienst von Herrn Toll tätig. Meine Aufgabe war unter anderem, die Kundenzufriedenheit in der „Rund um die Uhr“-Betreuung zu ermitteln. Ich kann es nur bestätigen, immer wieder kam der Wunsch zum Ausdruck, liebevoll gepflegt zu werden, der Wunsch, dass die Betreuungsperson geduldig und einfühlsam ist, und dass sie sich nicht nur für die Pflege, sondern gerade auch für Gespräche Zeit nimmt.

Auf dem Plakat vom Hilfswerk ist die Aussage der Schirmherrin Ingrid Turkovic-Wendel zu lesen: „Wenn es uns nicht gleichgültig ist, wie wir im Alter leben, dann müssen wir jetzt etwas dafür tun.“ Dem kann man nur beipflichten. Ich träume von einer Gesellschaft, in der die Bedürfnisse von Menschen auch im Alter berücksichtigt werden können.

Erhebungen, wie die vom Hilfswerk durchgeführte, sind sehr wichtig. Für mich ist es ein weiterer Motivationsschub, sich betreffend Qualitätssicherung stets an den Bedürfnissen, an der Zufriedenheit der Menschen, die wir betreuen, zu orientieren, auch wenn es dadurch manchmal anstrengender und aufwändiger ist. Die Ergebnisse rufen uns als Gesellschaft auf, nicht aufzuhören nach Möglichkeiten zu suchen, dass das so deutlich geäußerte Bedürfnis, den Lebensabend zu Hause verbringen zu können, kein frommer Wunsch bleibt, sondern eine Wahlmöglichkeit, die jeder für sich treffen kann. Keine einfache Aufgabe, das gebe ich zu, aber es macht für mich auf Dauer gesehen keinen Sinn, Wege zu beschreiten, die gegen den Willen derer sind, die es betrifft. Auch der alte und pflegebedürftige Mensch sollte sein Leben in Selbstbestimmung leben können.
Siegfried Klammsteiner

Fußnoten: 1 www.hilfswerk.at , 2 ebenda

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Das Modell „Dienstleistungsscheck“
wohl kaum relevant für die Rund-um-die-Uhr-Betreuung

Das Modell Dienstleistungsscheck (DLS) ist auf der Homepage des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit ausführlich beschrieben. Darin ist zu lesen: „Zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf sieht das Regierungsprogramm die Förderung des ´Unternehmen Haushalt` vor…. In Österreich sind in privaten Haushalten dzt. etwa 3.500 unselbständige Arbeitskräfte und ca. 7.000 geringfügige Beschäftigte offiziell gemeldet… Auf der Grundlage der Konsumentenerhebung Anfang der 90er Jahre wird eine illegale Beschäftigungszahl bis zu 180.000 Personen angenommen…. Dieses Potenzial soll durch den Kauf von personennahen, haushaltsbezogenen Dienstleistungen (Unterstützung der Haushaltsführung, Kinderbetreuung, Einkauf, Reinigung, Gartenarbeit und Altenbetreuung) erschlossen werden.“

Um im Bereich der Rund-um-die-Uhr-Betreuung die Schwarzarbeit zu bekämpfen, kann der Dienstleistungsscheck wohl kaum eine förderliche Maßnahme sein. Denn der Hauptanteil von erbrachter Schwarzarbeit wird in diesem Bereich vom Pflegepersonal aus Osteuropa erbracht. Ebenso wenig, um dadurch Frauen, die sehr oft bereits einschlägige Erfahrungen in Betreuungs- bzw. Pflegeaufgaben haben, ein reguläres Beschäftigungsverhältnis zu ermöglichen.

Nehmen wir einen Patienten, der eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung braucht als Beispiel. Er nimmt sich beispielsweise drei Personen, die in Form des Dienstleistungsschecks bei ihm den Dienst versehen. Immerhin kommen in so einem Falle in einem Monat (24 Stunden x 30 Tage) insgesamt 720 Stunde zusammen, aufgeteilt auf drei sind das 240 Stunden im Monat pro Person.

Erlaubt ist nur der Bezug von DLS bis der doppelten Geringfügigkeitsgrenze, also 2x Euro 316,19 = Euro 632,38. Das bedeutet jede dieser drei erwähnten Personen dürfte nicht mehr als 2,63 Euro pro Stunde verdienen.

Die Pflege- oder Betreuungstätigkeit in der Rund-um-die-Uhr-Betreuung auf mehr als drei Personen aufzuteilen ist für den Patienten nicht gerade angenehm. Ein ganz großer Wunsch unserer Kunden ist z.B. immer wieder, dass nicht jedes Mal wieder wer anderer kommt. Und wenn dann einmal eine ausfällt, woher soll der Patient dann selbst schnell einen  Ersatz finden usw. ein schwerfälliges Unterfangen, das wohl kaum funktionieren kann.

Eine ganz große Frage ist außerdem die Qualitätssicherung. Sicher können Heimhilfen so manche Dienste in der Altenbetreuung übernehmen. Unsere Erfahrung zeigt, dass es für den Kunden eine große Sicherheit ist, wenn er weiß, dass diese von einer diplomierten Pflegedienstleitung überprüft und angeleitet werden, wenn es entsprechende Dokumentation gibt, wenn im Hintergrund eine Organisation steht, die auf dem Gebiet Erfahrungen hat und auf auftretende Veränderungen reagieren kann. Wir erleben es oft, dass zunächst eine Heimhilfe zum Einsatz kommt, aber dann wird eine höher qualifizierte Pflegekraft notwendig, da sich der Gesundheitszustand der betreuten Person verschlechtert hat.

Mag schon sein, dass durch Heimhilfen bei leichten Betreuungsfällen haushaltstypische Dienstleistungen abgedeckt werden können, aber wie ist dieses Vorhaben des DLS mit den gesetzlichen Bestimmungen in manchen Bundesländern wie Wien, Oberösterreich, Steiermark usw. zu vereinbaren, die die Tätigkeit der Heimhilfen an klar vorgegebenen Ausbildungen knüpfen?

Jedenfalls in der Rund-um-die-Uhr-Betreuung dürfte das Modell DLS wohl kaum eine wesentliche Rolle spielen.

Siegfried Klammsteiner

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Altenpflege - eine gesundheits- und sozialpolitische Herausforderung unserer Zeit

Wollen wir unseren Mitbürgern ein menschenwürdiges Leben im herkömmlichen Sinne und mit dem gewachsenen Verständnis von Lebensqualität auch für die Zukunft dauerhaft sichern, dann werden wir im sozialen wie auch im gesundheitlichen Bereich wieder verstärkt Menschen brauchen, die es verstehen, behilflich zu sein. Soll ihre Hilfe wirken, sind geeignete infrastrukturelle Voraussetzungen zu schaffen, um die in Leid und Not geratenen Menschen in ihren vielfältigen Problemlagen unbürokratisch und effektiv unterstützen zu können.

Diese Aufgabe hat einst vorwiegend die Großfamilie und vor kurzem noch die Kleinfamilie übernommen. Die Entwicklung zeigt jedoch, dass die Familie immer weniger in der Lage sein wird - zumindest nicht ohne effektive Unterstützung - , diese Aufgabe zu übernehmen. Das Sozial-, aber auch das Gesundheitswesen, sind daher gefordert, auf dieser grundlegenden Ebene der Existenz, dort wo im großen und ganzen bis heute die Familie die Lasten der verschiedenen Notsituationen aufgefangen und abgemildert hat, Hilfen anzusiedeln. Um dieser Vielfalt sozialer Risiken begegnen zu können, wird sich Sozial- und Gesundheitspolitik gezwungen sehen, neue Wege zu gehen.

Ein Weg wird über die Verbesserung des strukturierten, organischen Zusammenwirkens der verschiednen, gegenwärtig noch viel zu isoliert tätigen, sozio-sanitären Dienste führen, eine Verbesserung des Zusammenwirkens nicht nur innerhalb des Gesundheitswesens, sondern der beiden Bereiche - Gesundheit und Soziales. Die bevorstehende Aufgabe erlaubt kein "Platzhirsch-Denken", das Bestreben, sich Pfründe zu sichern, Parteipolitik zu betreiben, sondern die Bereitschaft des Zusammenwirkens, des voneinander Lernens, im Sinne dessen zu denken und zu handeln, der in eine Problemsituation geraten ist, wird gefordert sein.

Ein weiterer Schritt wird die Erweiterung der bisherigen Sozial- und Gesundheitspolitik sein, nämlich die Erweiterung von der "Feuerwehrunktion" und "Reparaturwerkstätte" hin zu einer Ursachenbekämpfung sowie Aktivierung der Gesundheitsressourcen im physischen und psychischen Bereich. Es werden verstärkt Akzente im Bereich der primären und der sekundären Prävention, im Bereich der Gesundheits- und Sozialerziehung und umfassend in der Gesundheitsbildung - angefangen in der Lebenswelt des einzelnen, in der Schule, am Arbeitsplatz und im Freizeitbereich - gesetzt werden müssen. Die Sozial- und Gesundheitspolitik wird vor Ort, in der Arbeits-, Wohn- und Lebensumgebung des einzelnen und seiner Gemeinschaft darauf einzuwirken haben, dass zum einen die gesundheitlichen Schadensursachen und die sozialen Kränkungen gelindert und behoben werden, dass zum anderen aber - und vornehmlich - Impulse freigesetzt werden, um Mechanismen in Gang zu bringen, Formen der Geselligkeit und Gemeinschaft zu fördern, die dazu beitragen, dass wir in einer Gesellschaft des Lebens leben. Es wird ein leistungsstarkes Sozial- und Gesundheitswessystem gefragt sein, dem es gelingt, diese kooperative Form zu finden, in Abkehr vom noch vorherrschenden sektoriellen Denken, ersetzt durch eine gesamtheitliche, vernetzte Schau der Lebensprobleme.

Es gilt nicht nur in die Akut- und Notfallmedizin zu investieren, bzw. alle Hilfe zu professionalisieren, die dann vom Sozialstaat zu bezahlen ist, sondern es gilt genauso auch jene Kräfte freizusetzen und zu aktivieren, die letztlich die physische und soziale Stabilität durch ein mehr an solidarischem Handeln auf allen Ebenen herbeiführen. Auch der schnellste Rettungshubschrauber wird immer noch zu langsam sein, solange das Rasen Vorfahrt hat. Was hierzu not tut, ist Aufklärung, Beratung und Information. Daher sollte die pädagogische und soziale Kompetenz verstärkt an die Seite der medizinischen Kultur gestellt zu werden.

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Qualitätssicherung in der Pflege:
Von den pflegenden Angehörigen lernen

Das Bundesministerium für soziale Sicherheit und Generationen hat im Jahr 2001 das österreichische Bundesinstitut für Gesundheitswesen mit einem Pilotprojekt "Qualitätssicherung in der Pflege" beauftragt. Ziel der Studie war es, die Pflegequalität in der häuslichen Pflege zu erheben, um somit Anhaltspunkte für eventuelle Maßnahmen zu bekommen. Es sollten allfällige Defizite, die mit der häuslichen Pflege in Zusammenhang stehen, erfasst werden.

Es ist bekannt, dass mehr als 80 Prozent der Pflegegeldbezieher von pflegenden Angehörigen zu Hause betreut und gepflegt werden. Insofern stellt das Klischee vom Alters- oder Pflegeheim als üblicher Lebensraum für alte Menschen eine Verzerrung der Wirklichkeit dar. Die Pflegequalität wurde im erwähnten Pilotprojekt über die Frage zur Hygiene, zum Zustand der Pflegegeldbezieher und zum Gesamtzustand erhoben. Diese wurde bei der weitaus überwiegenden Mehrheit der besuchten Pflegegeldbezieher als hervorragend empfunden und das Engagement der privaten Hauptpflegepersonen und der professionellen Dienste wurde vielfach als vorbildlich gewertet1.

In der öffentlichen Diskussion ist man es gewohnt, dass die Pflegequalität unmittelbar mit dem Einsatz von entsprechend geschultem, qualifiziertem Personal in Verbindung gebracht wird. Pflegende Angehörige sind in der Regel nicht diplomierte Krankenschwester oder diplomierter Krankenpfleger, Altenfachbetreuer/In oder Pflegehelfer/In. Dennoch brachte die Studie so ein tolles Ergebnis. Hut ab vor diesen "Pflegefachkräften", wie ich sie nennen möchte, die in Zusammenarbeit mit den professionellen Diensten dieses Ergebnis vorweisen können.

Die Erhebung der Inanspruchnahme von professionellen Diensten ergab folgende Erkenntnis: 41 Prozent nehmen keinen professionellen Dienst in Anspruch, 32 Prozent ein- bis mehrmals wöchentlich, und 16 Prozent mehrmals täglich. Die durchschnittliche Einsatzdauer reicht dabei von 30 Minuten bis zu einem Maximum von sechs Stunden2.

So wichtig und notwendig die professionellen Dienste in der häuslichen Pflege sind, die Studie zeigt aber auch, sie sind nicht die alleinigen Garanten der Qualitätssicherung. Worüber man sich betreffend der häusliche Pflege sicher Gedanken machen muss, ist die Tatsache, dass in Zukunft die eigenen Angehörigen nicht mehr in dem Ausmaß wie bisher die häusliche Pflege durchführen werden.

Die erwähnte Studie zeigt aber auch, dass diese "Pflegefachkräfte" nicht nur vom bestehenden Pflegepersonal ersetzt werden müssen, um die Qualität zu halten. Wer nur das bereits vorhanden Pflegepersonal vor Augen hat, sieht natürlich einen unausweichlichen Pflegenotstand auf die Gesellschaft zukommen. Ich finde es angebracht, wenn gerade den Frauen im Alter von etwa 45 bis 60 Jahre, die am primären Arbeitsmarkt als "zu alt", "nicht vermittelbar" oder "über - oder unterqualifiziert" abgewertet werden, in diesem Bereich ein neuer Tätigkeitsbereich eröffnet wird. Fachlich könnten sie durch entsprechende Schulung und durch die Zusammenarbeit mit den professionellen Diensten an die Tätigkeit der pflegenden Angehörigen herangeführt werden, was sie allemal mitbringen, wäre die Lebenserfahrung. Und die ist in der Pflege und Betreuung von alten Menschen nicht zu unterschätzen.

Siegfried Klammsteiner

1 BMSG, Qualitätssicherung in der Pflege - Pilotprojekt, S. 13 und 14
2 ebenda, S. 18

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Altern in Würde - mehr und mehr ein Wunschtraum?

Diese Frage mögen sich heutzutage die Menschen stellen, wenn sie über Missstände im Pflegebereich hören und lesen. "Mehr Personal, mehr Geld, mehr Kontrollen und das alles nicht vorhanden" scheint die Standardantwort zu sein. Sicher spielen Aspekte wie Geld und Personal eine wesentliche Rolle, aber ist das alles? Könnten wir dann sicher sein, dass solch schreckliche Fälle wie z.B. im Wiener Geriatriezentrum Wienerwald (Lainz) nicht mehr vorkommen? Mag sein, dass es sich um Einzelfälle handelt, aber das ist wahrlich kein Trost, und schon gar nicht für die Betroffenen.

Wie kann es überhaupt dazu kommen? Wo müsste angesetzt werden, um solche Zustände zu vermeiden? Wie viele müssen da wegschauen, untätig sein oder vermeintlich machtlos dem Geschehen gegenüberstehen? Müssen immer solch krasse Dinge passieren, bis etwas geschieht? Werden nun die richtigen Konsequenzen gezogen, dass so etwas nicht mehr vorkommt? Solche und andere Fragen gehen einem durch den Kopf, wenn man von Pflegeskandalen hört. Welche Möglichkeiten haben oder hätten die Betroffenen selbst, um früh genug auf sich aufmerksam zu machen?

Als in letzter Zeit die Eisenbahner streikten, dachte ich mir oft: "Siehst du, solche Möglichkeiten, die eigenen Interessen durchzusetzen, haben die Menschen nicht, die auf die Hilfe anderer angewiesen sind." Wie würde z.B. so ein Streik aussehen? Einige Tage, eine Woche, eine Zeitlang einfach nicht krank und hilfsbedürftig sein? Für eine gewisse Zeit keine Medikamente einnehmen? Einfach das Gesundheitssystem nicht in Anspruch nehmen, die Hilfsbedürftigkeit aussetzen? Das geht natürlich nicht. Spürbar wäre das schon, denn seien wir ehrlich: An einem kranken oder hilfsbedürftigen Menschen verdienen ja auch Viele. Man denke nur an die Pharmaindustrie sowie andere Industriezweige, und all die Menschen, die durch ihre Tätigkeit im Gesundheitssystem ihr Geld verdienen.

Ein anderer sensibler Punkt, auf den vor allem die Politik ganz besonders reagieren würde, wäre der Verlust an Wählerschaft. Aber hilfsbedürftige Menschen sind eben nicht politisch durch eine eigene Partei oder durch eine eigene Gewerkschaft organisiert. Also auch diese Möglichkeit kann nicht in Betracht gezogen werden.

In unserer Gesellschaft gibt es Mechanismen wie Streik, die zur Durchsetzung von Interessen eingesetzt werden können.  Aber darüber hinaus gibt es Grundelemente, ein Mindestmaß an Menschlichkeit, das gegeben sein muss, damit eine Gesellschaft überhaupt funktioniert. Am Beispiel Pflege wird das ganz deutlich sichtbar. Dass ein Altern in Würde möglich ist, muss ein Grundwert sein und bleiben und darf nicht von politischen Druckmitteln abhängen, die von den Betroffenen eingesetzt werden können. Insofern wird allein mehr Geld, mehr Personal und schon gar nicht mehr Kontrollen - so wichtig das sein mag - das Problem sicher nicht lösen.

Qualität in der Pflege beschränkt sich nie allein auf fachlich richtiges Handeln, sondern ist immer auch mit erbrachter Zuwendung, Achtsamkeit, erbrachtem Respekt - mit gelebter Menschlichkeit - verbunden. Den Qualitätsmaßstab in Punkto Menschlichkeit tragen wir alle in uns. Denn Hand aufs Herz: Wie möchten wir, dass unsere engsten Angehörigen oder wie möchten wir selbst behandelt werden, wenn wir einmal Hilfe brauchen? Genau diese Maßstäbe dürfen nicht zur Disposition stehen.

In der Regel werden die Menschen in den österreichischen Heimen von netten, aufopfernden Pflegekräften betreut, das bin ich mir sicher. Aber dass es leider zu oft (und bereits ein Fall ist um einen Fall zu viel) auch zu schrecklichen Missständen kommt, muss und hellhörig machen. Neben den finanziellen und personellen Ressourcen gilt es ganz besonders auch darauf zu achten, dass gerade im Bereich der Pflege persönliches, menschliches Engagement nicht abgebaut, sondern gefördert wird.

Wahrscheinlich steckt auch hier das Problem im Detail, in Teilen des Systems. Die Missstände kennen diejenigen, die unmittelbar damit zu tun haben, am besten. Es ist scho zu viel gelaufen, wenn Pflegekräfte, die die Tätigkeit am Bett verrichten, wenn Verantwortliche in Institutionen beginnen, Unzumutbares hinzunehmen. Ohne ein hohes Maß an Eigenengagement und Eigenverantwortlichkeit, von den Pflegenden erbracht, kommen wir in der Pflege nicht aus.

Die Missstände in der Pflege sind meines Erachtens das Resultat von Missständen in den Systemen der entsprechenden Institutionen, bzw. in den Systemen, in denen solche Institutionen eingebunden sind. Dass Menschen vernachlässigt werden und wurden, kann man nicht dadurch rückgängig machen, dass darüber geredet wird. Schade wäre, wenn daraus die falschen Schlussfolgerungen gezogen würden, und als Konsequenz nicht bei den Ursachen, sondern nur bei den Folgen angesetzt wird. Mehr Geld und Personal ist nur dann eine begleitenden Maßnahme, wenn zugleich auch die Bedingungen im System so geändert werden, dass die Pflegenden und alle, die unmittelbar mit den Patienten zu tun haben, dafür einstehen, dass Unzumutbares im Vorfeld bereinigt wird.

Siegfried Klammsteiner

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Reform des Gesundheitssystems: Visionäre sind gefragt

Das Altern ist ein ganz wichtiger Bevölkerungswandel, der sich gegenwärtig vollzieht und jeden Menschen, jede Gesellschaft, die Wirtschaft und das Sozialsystem sowie das Gesundheits- versorgungssystem berührt. Völlig verständlich, dass auf Grund dieses Wandels eine Reform des Gesundheitssystems mehr als notwendig geworden ist. Eine Million mehr alte Menschen hier zu Lande bis 2050 kann für das Gesundheitssystem nicht ohne Folgen bleiben.

Der Umgang mit den kranken, alten, hilfsbedürftigen Menschen wird gerade in Zeiten leerer Kassen ein Gradmesser für die Gesellschaft bleiben. Man kann nur an all jene, die an den Reformen mitwirken, appellieren, nicht nur der Blick auf das in diesem Sozialsystem vorhandene Budget zu richten, sondern den Mut und die Kraft zu grundlegenden Gesellschaftsreformen aufzubringen. Natürlich ist der rasante Anstieg der Kosten im Gesundheitssystem und die langfristige Finanzierbarkeit dessen ein Kernpunkt. Eine Schreckensvision wäre, wenn nicht jeder Patient jede noch so teuere Operation bekommen würde, etwa weil er z.B. zu alt ist, wenn rein ökonomische Kriterien als Entscheidungsgrundlage genommen würden. Wobei der Ansatz zu einer Zweiklassenmedizin bereits jetzt spürbar ist. „...dass Sie Wartezeiten reduzieren können, wenn Sie zusatzversichert sind, das ist Realität... auf der Warteliste sind nicht alle gleich. Aber da genügt es auch, wenn ein Politiker anruft und Tempo macht.“ [1] so Gabriele Kogelbauer, Vizepräsidentin der Wiener Ärztekammer.

Gerade bei gesellschaftlichen Engpässen sind nicht nur reine Pragmatiker gefragt, die durch Ressourcenbegrenzung auf eine reine Rationierung hinarbeiten, sondern in gleicher Weise oder vordergründig sind auch Visionäre gefragt, die durch die Gestaltung der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in der Lage sind, neue Ressourcen zu akquirieren und auch aufkommende Kosten im Vorfeld zu minimieren. Es gilt z.B. der Frage nachzugehen, welche Rahmenbedingungen und Maßnahmen die Gesellschaft setzen kann, um in Zukunft die Ursache von unterschiedlichen Erkrankungen zu verringern, welche Rahmenbedingungen und Maßnahmen die Gesellschaft setzen kann, um zukünftig die Solidarität zwischen Alt und Jung, krank und gesund noch mehr zu stärken, welche Rahmenbedingungen und Maßnahmen die Gesellschaft setzen kann, dass zukünftig nicht nur ökonomische, sondern auch ethische Vernunft als Entscheidungsgrundlage dient und wie die nötige Eigenverantwortung für das Gesamtwohl gestärkt wird.

Allein bei dem Gedankenansatz „gekränkte Seele – kranker Körper“ tut sich ein riesiges Potential an Prävention auf, wenn es richtig angepackt wird. Gesundheit ist ein hohes Gut und hat nicht nur einen physischen, sondern auch einen psychischen und sozialen Aspekt.  Wodurch kann die Eigenverantwortung jedes einzelnen gefördert werden, um nicht Raubbau an der eigenen Gesundheit zu betreiben? Als Folge wird das Sozialsystem durch  kostspielige Behandlung unnütz belastet. Wie muss die Atmosphäre in der Familie, wie muss das Klima am Arbeitsplatz und in der Gesellschaft sein, damit das Gesundheitssystem in Zukunft entlastet und Erkrankungen vorgebeugt wird? Schwache und Hilfsbedürftige wird es in der Gesellschaft immer geben. Ohne dem nötigen Sinn für und der gelebten Solidarität kann es zu großen sozialen Ausgrenzungen kommen.

Bei der Durchführung der unumgänglichen Gesundheitsreform sollte folgender  Grundgedanke nicht von sogenannten Sachzwängen verdrängt werden. Alt sein ist keine Krankheit, sondern ein Lebensabschnitt. Wenn ein Mensch auf Grund seines Alters oder durch eine Krankheit geschwächt auf die Hilfe anderer angewiesen ist, sollte dies nicht eine Frage des Geldes, sondern eine Selbstverständlichkeit sein, dass er sie auch bekommt. Schließlich hat er in seinem Leben durch seine Energie zur Aufrechterhaltung der Gesellschaft beigetragen. Daher darf keine Möglichkeit unversucht bleiben, mit den vorhandnen Ressourcen, sei es die humanen oder auch die finanziellen, so umzugehen, dass wir uns als Gesellschaft ein Altern in Würde auch leisten können.

Siegfried Klammsteiner

[1] Der Standard, Donnerstag, 31. Juli 2003

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Pflegeberufe brauchen klare Perspektiven

Gemäß der demographischen Entwicklung ist unbestritten: Der Bedarf an Pflegepersonal steigt, denn die Österreicherinnen und Österreicher werden immer älter. In der Gesundheits- und Altenpolitik reagiert man unter anderem mit dem Bau neuer Pflegeheime. Ob dies die beste Antwort darauf ist, bleibt abzuwarten.

Im Personal- und Bildungsbereich gibt es offensichtlich noch keine angemessene Reaktion auf die erwähnte Entwicklung. Es ist bezeichnend, dass trotz guter Arbeitsplatzchancen immer weniger Menschen eine Ausbildung im Pflegebereich angehen. Frau Elisabeth Marcher vom Fachsekretariat Pflege des Österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegeverbandes sieht den Grund im Folgenden: "Die Ausbildung endet in einer Sackgasse." (Der Standard, 22.2.2003)

Ihre Begründung geht dahin, dass es für Personen, die eine dreijährige Ausbildung an einer Gesundheits- und Krankenpflegeschule machen, keine weitere Ausbildung auf höheren Schulen gibt, da die Gesundheits- und Krankenpflegeschule nicht mit der Matura endet. Die ist aber Vorraussetzung für universitäre Lehrgänge.

Für Frau Marcher ist es daher unerlässlich, die Aus- und Weiterbildung zu reformieren. Vor allem plädiert sie dafür, dass die Ausbildung grundsätzlich einmal auf Maturaniveau gehoben wird. Würden derart neue Konzepte umgesetzt, könnte das auch viele neue Berufsfelder ergeben. Aber vor allem würde es Menschen, die sich für den Gesundheits- und Krankenpflegeberuf entscheiden, weitere Perspektiven aufzeigen.

In der momentanen Situation ist wohl kaum zu hoffen, dass hierfür die nötigen politischen Weichen gestellt werden. Zum einen müsste das Sozial- und das Bildungsministerium sich in der Vorgehensweise einigen, zum anderen sind die Kompetenzen auch zwischen den Ländern und den Spitalserhaltern aufgesplittert - eine weitere große Hürde für einen Konsens.

Wie sich im Pflegebereich die Aufsplitterung der Kompetenzen zwischen Bund und Ländern auswirkt, wurde schon öfters aufgezeigt. Klar zu Tage tritt dieser Umstand in der Anerkennung der Altenfachbetreuerinnen und -betreuer , die in manchen Bundesländern als solche anerkannt, in anderen wieder nicht anerkannt sind. Zurecht wurde bei Help-TV, ausgestrahlt im ORF am 9. April 2003, darauf hingewiesen, dass es in Österreich zwar ein einheitliches Gesetz für die Behandlung von Tieren gibt, nicht aber ein einheitliches Gesetz betreffend der Betreuung alter und kranker Menschen.

Wie groß der Unterschied zwischen den einzelnen Bundesländern ist, zeigt sich am Beispiel der Heimhilfen. Da es diesbezüglich keine bundesweite Regelung gibt, hat Wien bereits 1997 durch das Gesetz über das Berufsbild, die Aus- und Fortbildung sowie die Durchführung der Heimhilfe (Wiener Heimhilfegesetz - WHHG) einen Vortsoß gemacht, um eine entsprechende klare gesetzliche Grundlage zu schaffen.

Dem Programm für den Ausbau der gesundheitlichen und sozialen Betreuung alter Menschen in Wien liegt ein dreistufiges Ausbildungsmodell zu Grunde, in dem auch Übergänge und individuelle Berufs- und Entwicklungsmöglichkeiten vorgesehen sind.

Die erste Stufe ist die Ausbildung zum Heimhilfeberuf, zur einfachen Betreuung. Die zweite Stufe ist die bereits durch das Bundesgesetz geschaffene Pflegehelferausbildung. Die dritte Stufe ist die im Krankenpflegegesetz geregelte Ausbildung zum diplomierten Fachpersonal. Angedacht ist, dass diese Ausbildungen aufeinander abgestimmt sind, so dass jemandem, der von der einen Stufe zur nächsten weitergeht, die vorhergehende Ausbildung anerkannt wird.

Um dem dreistufigen Ausbildungsmodell gerecht zu werden, wäre eine standardisierte Regelung des Berufes Heimhilfe notwendig. Als nächstes müsste durch den Bundesgesetzgeber eine Anerkennung der Ausbildung in Form von Anrechnung für die Pflegehelferausbildung erwirkt werden. Würde man diesen Ausbildungsweg auch nach oben hin für ein weiteres Studium im universitären Bereich öffnen, würde dem Pflegepersonal eine viel klarere Perspektive eröffnet. Natürlich müsste so eine Regelung bundesweit gelten. Denn es kann nicht sein, dass weiterhin jemand, der in diesem Bereich Arbeit sucht, in den einzelnen Bundesländern unterschiedliche Ausbildungen vorlegen muss, oder dass die Ausbildung im einen Bundesland anerkannt wird, im anderen jedoch nicht.

Siegfried Klammsteiner

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