Seniorenbegleitung

 

 

Konzept Seniorenbegleiterinnen / Seniorenbegleiter

Seniorenfachbegleiterin / Seniorenfachbegleiter1

1 Der Begriff stammt von DKGP Peter Fleissner, das Konzept wurde im Jahr 2021 in Zusammenarbeit mit dem ISL erarbeitet.

 

Um das bestehende Versorgungssystem zu stärken, zu entlasten und die vorhandenen Lücken zu schließen, möchte der Pflegedienst ISL durch die Etablierung eines neuen Berufsbildes – die Seniorenbegleiterin bzw. der Seniorenbegleiter und die Seniorenfachbegleiterin bzw. Seniorenfachbegleiter – sowie durch ein entsprechendes Ausbildungsprogramm zur Lösung beitragen.

Wir leben in einer alternden und sich verändernden Gesellschaft: Ältere Menschen leben vielfach allein, Frauen (die traditionell Care-Arbeiten übernehmen) sind verstärkt erwerbstätig, Familien leben örtlich weit voneinander entfernt. Damit wächst auch der Bedarf an Betreuung und Zuwendung für ältere Menschen.


Entlastung für pflegende Angehörige

Der größte Teil der Menschen, die auf Hilfe anderer angewiesen sind, wird von den eigenen Angehörigen versorgt. Es gilt dabei, einen sehr schweren Beruf, die eigene Familie und ein Mindestmaß an Privatleben miteinander zu vereinbaren. Für diejenigen, die als Angehörige diese Aufgabe übernehmen, geht diese Bereitschaft mit viel Verzicht einher.

Bricht diese Hauptgruppe in der Pflege und Betreuung einmal weg, kommen schier nicht bewältigbare Aufgaben auf die Gesellschaft zu.

Daher wären weitere, flexible Angebote sehr wichtig, in Form von:

    • Nachtdiensten,
    • Wochenenddiensten,
    • Ersatz, um wichtige Termine wahrzunehmen, wie an einem kulturellen Programm teilzunehmen, die sozialen Kontakte zu pflegen, weiterhin einem Hobby nachzugehen; für regelmäßige Auszeit,
    • Ersatz bei Krankheit,
    • Urlaubsvertretung,
    • und Vielem mehr

Versorgungslücke schließen

Abgesehen von der dringenden Entlastung und Stärkung des bestehenden Systems, gilt es auf folgende Entwicklung zu reagieren: Die Gruppe jener älteren Menschen, die (noch) nicht auf medizinische Versorgung und Pflege, jedoch auf Unterstützung im Alltag angewiesen sind, wächst. Hier kann die Seniorenbegleitung im häuslichen Bereich die Lücke zwischen Hauskrankenpflege, Haushaltshilfe und 24-Stunden-Betreuung schließen. Eine 24-Stunden- Betreuung wird auch deshalb oft engagiert, weil es an Alternativen fehlt. Sie wäre jedoch nicht immer erforderlich, wenn es ein breites gefächertes Angebot gäbe.


Entlastung in der 24-Stunden-Betreuung

Betreuerinnen und Betreuer in der 24-Stunden-Betreuung sind sehr oft in einer ähnlichen Situation wie pflegende Angehörige und es kommt zu Überforderung.

Gründe dafür sind:

    • die hohe emotionale Anforderung auf Grund der ständigen Verfügbarkeit,
    • Mangel an echter Privatsphäre und einem echtem Rückzugsraum,
    • Mangel an geregelter Freizeit,
    • psychische Belastung durch die Herausforderung, sich in ein Familiensystemen und in Beziehungsgeflechten zurechtfinden, die nicht immer frei von Konflikten und Spannungen sind,
    • anstrengende Nächte durch mehrmaliges Aufstehen,
    • körperliche Belastung mit Folgen für die Gesundheit auf Grund von wiederholtem Heben und Transfer – diese Aufgabe muss man allein bewältigen.

Das bedeutet nicht, dass jede 24-Stunden-Betreuung diese Entlastung benötigt. In vielen Fällen kommt es zu keiner Überforderung oder es gelingt im Zusammenspiel mit Angehörigen, für eine äußerst zufriedenstellende Situation zu sorgen. Jedoch ist das nicht überall der Fall. Dort, wo es hingegen zutrifft, besteht absoluter Handlungsbedarf. Amnesty International spricht davon, dass in der 24-Stunden-Betreuung in Österreich grundlegende Arbeits- und Menschenrechte missachtet werden. Wegschauen löst das Problem nicht.


24-Stunden-Betreuung auch für inländische Kräfte

Es gibt viele Gründe, sich für die 24-Stunden-Betreuung Neues zu überlegen, welche zurzeit auf billigen Arbeitskräften aus dem Ausland aufbaut ist. Wenn sie neu strukturiert wird, wie zum Beispiel kürzere Einsätze oder Aufteilung auf Tag- und Nachtdienste, und wenn die Honorierung angemessen ist, so ist für Seniorenbegleiterinnen und Seniorenbegleiter auch in diesem Bereich von einer guten beruflichen Perspektive auszugehen.


Seniorenfachbegleitung

Wo Menschen zusammenleben, zusammenarbeiten, miteinander in Beziehung stehen, da gilt es, mit Meinungsverschiedenheiten, mit Interessenkonflikten und mit unterschiedlichen Erwartungshaltungen konstruktiv umzugehen.

Die 24-Stunden-Betreuung hat gezeigt, wie herausfordernd der Umgang mit Nähe und Distanz gerade in der privaten Betreuung ist und wie sehr es darauf ankommt, die Privatsphäre und die Selbstbestimmung nicht zu verletzen. Es ist wesentlich, sich im Spannungsfeld ungelöster Probleme und Konflikte neutral zu verhalten. Dabei ist es hilfreich, wenn eine strukturelle, fachliche Unterstützung gegeben ist.

Diese Seniorenfachbegleitung kann sowohl den Senioren, den pflegenden Angehörigen als auch den Seniorenbegleiterinnen/Seniorenbegleitern die erste Ansprechperson sein und zu einem guten Miteinander beitragen.

Sie kann die verschiedenen Angebote koordinieren, bei bürokratischen Angelegenheiten helfen und zur Kooperation und zur Vernetzung im Versorgungsangebot beitragen, damit die Menschen, die Hilfe im Alltag benötigen, die für sie beste Wahl in Anspruch nehmen können.


Unterstützung durch Diplomkräfte

Seniorenbegleiterinnen/Seniorenbegleiter sind keine Pflegekräfte. Jedoch die Grenzen zwischen Unterstützung im Alltag und Pflege sind oft fließend.

Es empfiehlt sich in der Seniorenbegleitung dieselbe Regelung anzuwenden, wie sie in der 24 h Betreuung zur Anwendung kommt. Da unterscheidet man zum einen die Betreuungstätigkeiten, die Betreuerinnen/Betreuer eigenverantwortlich durchführen dürfen und zum anderen die pflegerischen Tätigkeiten, die sie nur dann übernehmen dürfen, wenn eine Pflegefachkraft oder eine Ärztin, bzw. ein Arzt ihnen diese übertragen, das heißt „delegiert“ hat. Die Delegierung beinhaltet eine Einschulung und fachliche Begleitung.

 

 

 

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