Personenbetreuung als Lebensbegleitung

 

 

Kategorie: Blog 

Personenbetreuung als Lebensbegleitung



Einleitung

 

An all die PersonenbetreuerInnen!

Die Beiträge in diesem Blog sind auch als Anerkennung für die wertvolle Arbeit, die Ihr als BetreuerInnen leistet, gedacht. Die 24-Stunden-Betreuung hat sich zu einem unverzichtbaren Segment im gesamten Pflege- und Betreuungssystem in Österreich etabliert. Dadurch haben viele Menschen die Möglichkeit, trotz Hilfsbedürftigkeit ihren Lebensabend zu Hause verbringen zu können. Zusätzlich zum fachlichen Können, das sich die Betreuten von Euch erwarten, seid Ihr ganz intensiv auch als Mensch gefragt. Allein die Tatsache, dass Ihr rund um die Uhr anwesend seid, unterscheidet Euch maßgeblich von allen anderen Berufsgruppen im sozialen Bereich. Es ist an der Zeit, die Personenbetreuung als ein eigenes Berufsbild zu etablieren. Durch die Beziehung und Vertrautheit, die mit den betreuten Personen entsteht, erfüllt Ihr auch die Rolle als BegleiterInnen von Menschen in einem speziellen, meistens im letzten Abschnitt ihres Lebens. In unserem Buch „Betreuung zu Hause – Handbuch für Personenbetreuung und pflegende Angehörige“ wir dem Thema Personenbetreuung als Lebensbegleitung ein eigenes Kapitel gewidmet. Auch im Blog auf unserer Homepage „Altwerden braucht Mut“ finden sich interessante Einblicke zum Thema Alter.


Ganzheitliche Professionalität

Der Prozess des Alterns ist ein völlig normaler Vorgang und kann nicht aufgehalten werden. Sehr oft kommt noch eine Krankheit hinzu, so dass Menschen irgendwann auf die Hilfe anderer angewiesen sind. Es beginnt damit, dass sie nicht mehr im Stande sind, den eigenen Haushalt zu führen. Mehr und mehr brauchen sie dann auch Hilfe und Unterstützung in den täglichen Dingen, wie bei Körperpflege, bei An- und Auskleiden, bei Essen, Trinken und Arzneimittelaufnahme, bei Benützung von Toilette und Inkontinenzprodukten, bei Aufstehen, Gehen, Niederliegen, Niedersetzen usw. Um all diese unterstützenden Tätigkeiten professionell durchführen, ist fachliches Wissen und Können erforderlich. Es beginnt mit dem Wissen um die Ernährung im Alter und bei Krankheiten, die richtige Durchführung all der Hilfestellungen, ein Grundverständnis für die verschiedenen Krankheitsbilder, welche Beobachtungen an eine Fachkraft gemeldet werden müssen, wie durch entsprechende Maßnahmen zum Beispiel Druckgeschwüre, Austrocknung, Wundreiben, Bewegungseinschränkung, Stuhlverstopfung, Entzündungen vorgebeugt werden kann, wie ein richtiges Verhalten im Notfall aussieht und Vieles mehr. All das gehört zur fachlichen Kompetenz. Jedoch es handelt sich immer um Individuen, die Ihr unterstützt, um Menschen, bei denen es nicht nur darum geht, die körperlichen Defizite auszugleichen, sondern die auch seelische Unterstützung wünschen und Begleitung brauchen. In diesem Blog werden vordergründig Themen aufgegriffen, die Euere menschliche Kompetenz stärken mögen, so dass Ihr zu den Menschen, die ihr begleitet, eine gute Beziehung aufbauen möget und ihnen eine wertvolle, seelische Stütze sein könnt.


 

Teil 1 

PRINZIP MENSCHLICHKEIT - WARUM WIR VON NATUR AUS KOOPERIEREN

 

Das ist der Titel eines der vielen Bücher des renommierten Medizinprofessor und Psychotherapeuten Joachim Bauer, das 2008 als TB im Heyne Verlag erschienen ist. Ausgehend von aktuellsten neurowissenschaftlichen Erkenntnissen zeigt er, dass wir auf soziale Resonanz angelegte Wesen sind. Denn das Gehirn belohnt gelungenes Miteinander mit der Ausschüttung von Botenstoffen, die gute Gefühle und Gesundheit erzeugen. Die sogenannten Glückshormone werden demnach nur dann ausgeschüttet, wenn Menschen miteinander kooperieren, wenn

 

  • Wertschätzung
  • Wohlwollen
  • Akzeptanz
  • Anerkennung
  • Vertrauen und 
  • Verbundenheit 

 

gelebt und erlebt werden.

Beim Prinzip Menschlichkeit geht es vor allem um den Hintergrund unseres Handelns. Mit welcher Motivation und Absicht, mit welchen Gedanken und Gefühlen, mit welcher inneren Haltung und Einstellung wir auf andere Personen zugehen, oder auch Betreuungstätigkeiten durchgeführt werden. Den PersonenbetreuerInnen wird ein hohes Maß an Menschlichkeit abverlangt. Man erwartet sich, dass sie freundlich, respektvoll und einfühlsam mit hilfsbedürftigen Menschen umgehen. Sie sind gefordert, sich in Familiensystemen und Beziehungsgeflechten zurechtzufinden, die nicht immer frei von Konflikten und Spannungen sind. Sie begleiten Menschen in ihrer letzten Lebensphase. Sehr oft sind sie dabei auch Angehörigen eine Hilfe und Stütze. Gerade diese Berufsgruppe verdient es, dass ihr all das Wissen, das gerade auch die Neurowissenschaften beisteuern können, bereitgestellt wird. Viel Spaß bei der Durcharbeitung und Vertiefung der Thematik Prinzip Menschlichkeit. Denn jede Arbeit macht mehr Spaß, wenn man sie beherrscht, wenn man die erforderlichen „Muskeln“ stärkt und entwickelt. 

(veröffentlicht am 06.02.2020 / von Siegfried Klammsteiner)

 

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