COVID-19

Lienz, am 16.03.2020

Coronavirus - Notfallplan für die 24h Betreuung
Gedanken und Vorschläge vom Pflegedienst ISL
ÖsterreicherInnen helfen aus! (Au-pair-Prinzip in der 24h Betreuung)


PDF Download - COVID-19 Notfallplan

 

Das ist ein erster Entwurf und kein fertiges Konzept. Es beruht auf der Überlegung, dass nun durch die Schließungen in Österreich Personen (siehe 2.1) frei werden. Sollte es in der 24h Betreuung zu Engpässen kommen, könnten diese als Überbrückung eingesetzt werden. Das Konzept orientiert sich am Prinzip der Au-pair-Arbeit, mit kurzer Schulung und Einführung in die Thematik und eingebettet in einem rechtlichen Rahmen (Gewerbeanmeldung).

 


1. Fallbeschreibung


1.1 Ausgangslage
Etwa 60.000 PersonenbetreuerInnen, hauptsächlich aus den EU-Ländern Osteuropas, sind in Österreich in der 24h Betreuung tätig und versorgen hier betreuungsbedürftige Personen. 

In der Regel wechseln sich 2 BetreuerInnen bei einer betreuten Person in verschieden langen Rhythmen (zum Beispiel 14 Tage, 3 Wochen, ein Monat) ab. Vielfach reisen die BetreuerInnen nicht nur mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, sondern auch mit privaten Sammeltaxis. 

Die Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus, die sowohl von Österreich, aber die auch von den Herkunftsländern der BetreuerInnen getroffen werden, erschweren die Aufrechterhaltung der 24h Betreunung. Im Extremfall kann es hier zu einem Totalausfall kommen.

Personen, die eine 24h Betreuung haben, können sich nicht selbst versorgen – auch nicht vorübergehend. Hier gibt es dringenden Handlungsbedarf. Heime nehmen gerade wegen der Corona-Krise keine neuen Patienten auf, die Krankenhäuser sind bestrebt, so viele Patienten wie möglich in die häusliche Pflege und Betreuung zu entlassen und kommen somit auch nicht als Überbrückung für die 24h Betreuung in Frage.

1.2 Auswirkungen der Maßnahmen auf die 24h Betreuung
Im Zuge der Bemühungen, die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, kommt es zur Einschränkung der Reisemöglichkeiten oder gar zur Schließung von Grenzen. Das wird dazu führen, dass die BetreuerInnen schwer oder letztlich überhaupt nicht mehr nach Österreich einreisen können.

In mehreren Herkunftsländern werden alle Personen, die zum Beispiel aus Österreich zurückkommen, zu einer 14-tägigen Selbstisolation verpflichtet. Unter diesen Umständen sind BetreuerInnen nicht hoch motiviert, weiterhin in Österreich zu arbeiten und bleiben lieber zu Hause. 

Diese Maßnahme in den Herkunftsländern (Selbstisolation oder gar Quarantäne) betrifft auch die Fahrer der Taxidienste. Als Folge müssen die Transportdienste, welche BetreuerInnen nach Österreich bringen, vorübergehend ihren Dienst einstellen. Es fehlen ihnen jene Fahrer, die noch reisen dürfen. 

Der Appell, diejenigen BetreuerInnen, die aktuell in Österreich sind, mögen solange nicht nach Hause fahren, bis sich die Lage beruhigt hat, bietet keine Sicherheit in der Versorgungslage. 

Zum einen kann man Personen nicht festhalten, wenn sie nach ihrem geplanten Einsatz nach Hause fahren, zum anderen haben diese oft Kinder, die von den Schließungen der Kindergärten und Schulen in ihren Ländern genauso betroffen sind.


2. Ressourcen nützen, die in Österreich frei werden


2.1. Betroffene Bereiche – freiwerdende Kräfte
Auf Grund der verordneten Schließungen im Bereich des Handels, der Gastronomie, des Tourismus, der Veranstaltungsorte, der Sportstätten, bei Selbstständigen, die nicht durch Kurzarbeit ihr Einkommen sichern können und viele mehr, werden vorübergehend Kräfte frei, die den Engpass, der in der 24h Betreuung entstehen wird, überbrücken, bzw. zumindest eindämmen könnten. Zu dieser Gruppe der freiwerdenden Kräfte zählen auch die zusätzlichen Zivildiener, sofern sie für die 24h Betreuugn freigegeben werden.

2.2 Tätigkeitsbereich der 24h Betreuung
Die 24h Betreuung umfasst ein breites Spektrum. Man kann es grob in zwei Bereiche gliedern. Es gibt einen Bereich, der vielfach auch von Angehörigen übernommen wird, oder übernommen würde, wenn sie nicht berufstätig wären und darüber hinaus einen Bereich, bei dem zum Beispiel pflegerische Kenntnisse notwendig sind.

2.2.1 Unterstützung und Hilfestellung

Darunter fällt:

            • Führung des Haushaltes der betreuten Person (einkaufen, kochen, putzen Wäsche waschen usw.),
            • Hilfestellung in den täglichen Dingen (sei es beim An- und Auskleiden, bei der Körperpflege, beim Aufstehen, Gehen, Niederlegen, Niedersitzen, Benützung von Toilette usw.)
            • Gesellschafterfunktion. Nur deswegen engagiert niemand eine 24h Betreuung, aber sie ist immer auch ein Teil des Aufgabengebietes.

2.2.2 Anspruchsvollere Tätigkeiten
Alter ist keine Krankheit, jedoch wird das Leben mit zunehmendem Alter immer beschwerlicher und ist letztlich nur noch mit Unterstützung möglich. Häufig ist jedoch eine Krankheit die Ursache für die erforderliche Hilfe. Je nach Krankheit und in wie weit diese schon fortgeschritten ist, sind erforderliche Kenntnisse notwendig, um die Hilfe, die sich auf Grund der Krankheit ergeben, leisten zu können.

2.3 Ein Pool von Laienkräften aus dem Inland als Überbrückung
Im Bereich der Unterstützung und Hilfestellung ist es denkbar, dass sogenannte Laien einspringen könnten. Auch pflegende Angehörige, die oft von einem Tag auf den andern in die Situation kommen, einen Pflegefall zu übernehmen, haben nicht die Möglichkeit, sich vorher in Form einer Ausbildung, darauf vorzubereiten.

Wenn es bei Agenturen zu Personalknappheit kommt und bei den Kunden, die lediglich Hilfestellung und Unterstützung benötigen, Laienkräfte einspringen, können die besser geschulten Kräfte die anspruchsvolleren Fälle übernehmen. Bedenkt man, dass auch einzelne Regionen in Österreich unter Quarantäne gestellt werden könnten oder werden, wäre der Aufbau von regionalen Pools zu befürworten.


3. Laienkräfte auf ihre Aushilfe im Betreuungsbereich vorbereiten


3.1 Handbuch für Personenbetreuung
Das Buch„Betreuung zu Hause - Handbuch für Personenbetreuung und pflegende Angehörige“, liefert gerade für den Bereich Unterstützung und Hilfestellung wertvolle Tipps und Hintergrundinformationen. Es ist bewusst so geschrieben, dass man es auch als Laie versteht und praktischen Nutzen daraus gewinnen kann. Auch in der Personenbetreuung melden sich immer wieder Kräfte, die kaum Vorkenntnisse haben und für die in ihrer bisherigen Laufbahn Pflege und Betreuung noch keine große Rolle gespielt haben. Es eignet sich in Form von Selbststudium zur 24h Betreuung einen Zugang zu finden, um nicht ganz unvorbereitet diese Aushilfe in Angriff zu nehmen.

3.2 Einführungskurse in Form von Videokonferenzen
Eine weitere Möglichkeit, Laienkräfte auf ihre Arbeit in der 24h Betreuung vorzubereiten, wäre der Einsatz von technischem Hilfsmittel, wie Skype, Videokonferenzen. (Kursangebote zu verschiedenen Tageszeiten.) 

3.3 Einführungsseminare
Natürlich bietet sich auch die klassische Form der Fortbildung in Form eines Seminars an, um Interessenten in die Thematik einzuführen.

Um Laienkräfte auf ihre Arbeit vorzubereiten bietet der Pflegedienst ISL im Rahmen des Möglichen gerne seine Hilfe an.


4. Koordinationsstelle einrichten

Gelingen kann das Projekt nur, wenn es eine Anlaufstelle gibt, von der die Informationen hinausgehen, bei der die Rückmeldungen zusammenlaufen und die die weiteren Abläufe koordiniert. Die WKO als Vertreterin der Personenbetreuung und der Agenturen könnte, sofern sie dafür Kapazitäten freisetzen kann, der Branche einen wertvollen Dienst erweisen.

 

    • Projekt den Agenturen vorstellen – Bedarfserhebung machen
    • Information an alle Bereiche (2.1. Betroffenen Bereiche), die als Ressource in Frage kommen
    • Je nach Zielgruppe Anpassung der textlichen Konzeptbeschreibung
    • Wichtig: Es geht nicht darum, hochqualifizierte, professionelle Pflege zu ersetzen, sondern um eine kurzzeitige Aushilfe im Bereich der Hilfestellung und Unterstützung, in einem rechtlichen Rahmen (Gewerbeanmeldung), ähnlich dem Au-pair Prinzip, mit kurzer Schulung und Einführung in die Thematik
    • Kontaktaufnahme und Zusammenarbeit mit dem AMS, eventuell auch mit der Arbeiterkammer
    • Erfassen all derer, die sich als Laienkräfte für diese Aktion melden
    • Die Vorbereitung (siehe 3.) planen und organisieren.
    • Organisationsablauf gewährleisten
      • Information und Kommunikationsablauf mit den Beteiligten
      • Überblick – aktuellen Bedarf
      • Pool aufbauen (Information, rekrutieren, vorbereiten)
      • Koordination zwischen vorhandenen Ressourcen und Engpass bei den Agenturen
    • Finanzierung des Projektes

 

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